Was bleibt von der Königlichen Kunst?

„Ich verspüre zu viel Vereinsmeierei und zu viel Dienstgradmentalität in unseren Reihen. Zu viele Orden werden vergeben und die Erkenntnisstufen werden zu wichtig genommen und zu überhöht dargestellt. Wir Freimaurer müssen uns den aktuellen Themen (z.B. Rechtsstaatlichkeit und Nachhaltigkeit) der Zukunft stellen. Unsere Passivität reicht nicht mehr…“

(6. Teil der Serie „Freimaurerei als Lebenseinstellung“ auf dem Blog Hagen Unterwegs)

Das älteste Persönlichkeitstraining der Welt

Gegenüber Suchenden behaupten wir oft, dass die Freimaurerei das älteste Persönlichkeitstraing der Welt ist. In der aktuellen Podcastfolge von „Freimaurer im Gespräch“ wird dieser Frage nachgegangen.

Ist die Freimaurerei wirklich das älteste Persönlichkeitstraining der Welt? Die erste Antwort, die einem dazu in den Sinn kommt ist: „Sie kann es sein!“

Ritual und Symbolik bieten das Potential für Auseinandersetzung mit uns selbst und beinhalten auch den Schlüssel zur Selbsterkenntnis. Aber wie sieht der Alltag in den Logen diesbezüglich aus? Nicht für jeden Bruder und jede Schwester steht das Thema der Selbsterkenntnis im Fokus. Haben überhaupt alle Brüder und Schwestern Zugang zu den Inhalten? Braucht es mehr Instruktionen oder Anregung durch die Bürgen? Funktioniert das mit der Arbeit am rauen Stein wirklich?
Kann die Freimaurerei das überhaupt leisten oder überfordert der Anspruch an echte Persönlichkeitsentwicklung die Logen vor Ort.

Ist die Freimaurerei etwas für Menschen, die Orientierung suchen und klare Vorgaben benötigen oder doch eher etwas für gefestigte Persönlichkeiten? Was kann die Freimaurerei für Menschen auf der Suche leisten und was nicht?

Auf alle diese Fragen gibt es viele Antworten, weil die Freimaurerei heterogen ist und von jedem Maurer unterschiedlich gelebt wird.
Wenn wir aber von der Freimaurerei als Instrument der Persönlichkeitsentwicklung und Selbsterkenntnis sprechen und das als Asset unseres Bundes betrachten, dann sollten wir auch dafür sorgen, dass die Brüder und Schwestern, die genau das in ihr suchen, Zugänge finden. Das wird aber nur funktionieren wenn wir in den Logen diese Zugänge auch schaffen. Dabei geht es um kompetente Ansprechpartner, Material, fundierte Instruktionen und Anregung durch die Bürgen.

Vielleicht ist das eine zentrale Frage für die Zukunft unseres Bundes, denn bei allen Diskussionen über Öffentlichkeitsarbeit und Modernisierung wird man nicht über die Mehrwertdebatte herumkommen.

Die Konkurrenz für die Logen ist groß. Netflix, Homeoffice, Fitness und Selbstoptimierung, Facebook, Twitter, Familie, usw. sorgen dafür, dass freie Zeit knapp ist. Insbesondere junge Brüder und Schwestern haben mit der Herstellung hier Work Life Balance oft eine große Herausforderung.

Logenabende können dazu einen sinnvollen Gegenpol bieten und Ruhe, Vertrauen und Verbindlichkeit als Mehrwert bieten. Darüberhinaus kann es aber nur hilfreich sein, dafür zu sorgen, dass das Freimaurer sein durch die Stärkung der Persönlichkeit und eine verbesserte Selbsterkenntnis einen echten Mehrwert schafft.

Wenn wir das sicherstellen, sind wir nicht nur interessant und modern, sondern grenzen uns auch gut kommunizierbar von anderen Vereinen ab.