Einheit in der Vielfalt – ein Buch über die Freimaurerei der Zukunft

Im Dezember 2018 habe ich meinem Bruder Rene Schon eine Nachricht über´s Handy geschrieben. Ich kannte ihn aus Facebook und von seinem hochinteressanten Blog www.freimaurergedanken.com und natürlich seiner guten Bücher als angenehmen, sehr intelligenten und interessanten Bruder. Wir hatten vollkommen unterschiedliche Auffassungen von der Freimaurerei aber dennoch konnten wir uns immer wunderbar austauschen. 

Mir schwebte seit längerem vor, ein Buch über das Thema „Einheit in der Vielfalt zu schreiben“, denn wir Freimaurer sind eine kleine Gruppe und müssen uns zukunftsfähig machen, um zu überleben. Die Vielfalt unseres Bundes erscheint mir auch heute noch eines der wesentlichen Assets zu sein, das es zu erhalten gilt. 

Die Gespräche mit Rene haben in mir die Einsicht reifen lassen, dass die Freimaurerei durchaus auch rein diesseitig funktionieren kann, auch wenn dies im Gegensatz zu meinen ursprünglichen Überzeugungen steht. 

Ich selbst habe zum Thema Spiritualität, Gott oder Religion in der Freimaurerei einen Ansatz irgendwo zwischen Deismus und Pantheismus, für viele spielt das Thema gar keine Rolle und ein paar „Hardcore“ Theisten haben wir in der Freimaurerei auch noch. Mittlerweile scheint mir alles möglich und aus der jeweiligen Perspektive auch irgendwie sinnhaft. 

Ich war mir damals sicher, dass wenn wir es schaffen würden, dem natürlichen Impuls der Abgrenzung zu widerstehen und stattdessen die Vielseitigkeit loben würden, wäre es ein guter Ansatz, um die FM zu stärken. Analog einem BWL Studium in dem es Controller, Marketingexperten und Personaltypen gibt, könnten sich alle als BWLer (Freimaurer) verstehen ohne sich darüber zu streiten, welche Disziplin denn wohl die wichtigste wäre. 

Je mehr ich darüber nachdachte, desto spannender erschien mir der Gedanke so ein Buch aus unterschiedlichen Perspektiven zu schreiben. Diese Gedanken gingen mir auf einer langen Zugfahrt durch den Kopf und ich freue mich heute sehr, dass ich diesem Impuls gefolgt bin und Rene eine Nachricht geschrieben habe mit der Frage, ob er sich vorstellen könnte, ein Buch mit mir gemeinsam zu schreiben?

Ein Buch, zwei Autoren, verschiedene Philosophien, ein gemeinsamer Kern, nämlich die ernsthaft gelebte Freimaurerei – ein echtes Zeichen für die gelebte „Einheit in der Vielfalt“. Vielleicht könnten wir damit einen kleinen Impuls für die Zukunft der Freimaurerei setzen und einen Versuch wagen, den Auseinandersetzungen innerhalb des Bundes den Boden zu entziehen.

Als Rene die Nachricht gelesen hat, saß er gerade im Auto. Aber seine kurze Antwort war eindeutig: „Ich bin von der Idee begeistert und finde das sollten wir machen. Das kann ein tolles Projekt werden und vor allem ein versöhnliches.“ Über diese sopontane Reaktion habe ich mich sehr gefreut.

Es folgten viele Gespräche und Überlegungen wie wir es anstellen sollten. Tatsächlich ist das gemeinsame Verfassen eines Buches sehr anspruchsvoll. Es gab fertige Textfragmente bei uns beiden aber wir wollten ja nicht nur Texte zusammenkopieren, sondern ein Buch schreiben mit einem nachvollziehbaren Content. Es ging also darum, eine Gliederung zu erarbeiten und die Texte vom Duktus und der Tiefe auf ein Level zu bringen. Es wurde keine Streitschrift daraus, sondern wir haben die Gedanken von uns beiden nebeneinandergestellt und versucht uns auf den jeweils anderen zu beziehen. 

Bis zur Fertigstellung des Buches hat es ungewöhnlich lange gedauert. Die Texte waren größtenteils im Sommer 2020 alle fertig. Aber Job, Familie, Corona, Verhandlungen mit Verlagen und viele andere Faktoren haben ihren Tribut gefordert. 

Nun freue ich mich sehr, dass dieses gemeinsame Werk veröffentlicht ist. Es ist alles andere als perfekt und mit jedem Monat der vergeht, möchte man gerne noch etwas ergänzen oder verändern. Aber die Botschaft bleibt:

Einheit in der Vielfalt ist der Schlüssel für die Freimaurerei der Zukunft. Es geht um die Arbeit am rauen Stein und darum, unterschiedlichen Individuen Möglichkeiten zur eigenen Entwicklung zu geben. Dabei geht es nicht um Mehrheiten oder Trends, sondern darum, den vielfältigen Reichtum der Freimaurerei zu erhalten, ihr neue moderne Ausprägungen zu geben, Gutes zu tun, aber neben der Humanität auch der Transzendenz ein wenig Raum zu geben. 
– Kai Stührenberg –

Info zum Buch:

„Einheit in der Vielfalt“ – das neue Buch

„Von jeher gab es in der Freimaurerei Diskussionen über richtig und falsch. Die Regularität war oft ein Thema. Und auch die Frage, ob die Freimaurerei auf die Dombauhütten zurückgeht oder ob vielleicht viel ältere Einflüsse zu finden sind, hat für Debatten gesorgt. Der Begriff des Großen Baumeisters aller Welten beschäftigt die Freimaurer seit Jahrhunderten und die Frage nach der Rolle der Religion hat die gesamte französische Freimaurerei in die Irregularität getrieben.Schon Albert Pike beklagte in seinen Briefen, dass viele Freimaurer seiner Ansicht nach die Hintergründe des Rituals und der Symbolik nicht wirklich verstünden. René Schon und Kai Stührenberg sind Brüder, die die Freimaurerei sehr ernst nehmen. Beide haben unterschiedliche Wurzeln und setzen in der Freimaurerei sehr unterschiedliche Schwerpunkte. Das Ziel dieses Buches soll es sein, die unterschiedlichen Sichtweisen und Interpretationen der Freimaurerei zu verdeutlichen und dabei das Gemeinsame herauszustellen. Vereint in der Vielfalt und frei von Dogmen bietet die Freimaurerei eine Vielzahl von Möglichkeiten zur persönlichen Entwicklung und für die Gesellschaft als Ganzes.“

Die ISBN Nummern:

ISBN: 978-3-347-39921-1

ISBN: 978-3-347-39919-8

ISBN: 978-3-347-39920-4

Und ab sofort im Buchhandel und allen Plattformen erhältlich.oder direkt beim Verlag:

https://tredition.de/…/einheit-in-der-vielfalt…/https://tredition.de/…/einheit-in-der-vielfalt…/https://tredition.de/…/einheit-in-der-vielfalt-e-book…/

Das älteste Persönlichkeitstraining der Welt

Gegenüber Suchenden behaupten wir oft, dass die Freimaurerei das älteste Persönlichkeitstraing der Welt ist. In der aktuellen Podcastfolge von „Freimaurer im Gespräch“ wird dieser Frage nachgegangen.

Ist die Freimaurerei wirklich das älteste Persönlichkeitstraining der Welt? Die erste Antwort, die einem dazu in den Sinn kommt ist: „Sie kann es sein!“

Ritual und Symbolik bieten das Potential für Auseinandersetzung mit uns selbst und beinhalten auch den Schlüssel zur Selbsterkenntnis. Aber wie sieht der Alltag in den Logen diesbezüglich aus? Nicht für jeden Bruder und jede Schwester steht das Thema der Selbsterkenntnis im Fokus. Haben überhaupt alle Brüder und Schwestern Zugang zu den Inhalten? Braucht es mehr Instruktionen oder Anregung durch die Bürgen? Funktioniert das mit der Arbeit am rauen Stein wirklich?
Kann die Freimaurerei das überhaupt leisten oder überfordert der Anspruch an echte Persönlichkeitsentwicklung die Logen vor Ort.

Ist die Freimaurerei etwas für Menschen, die Orientierung suchen und klare Vorgaben benötigen oder doch eher etwas für gefestigte Persönlichkeiten? Was kann die Freimaurerei für Menschen auf der Suche leisten und was nicht?

Auf alle diese Fragen gibt es viele Antworten, weil die Freimaurerei heterogen ist und von jedem Maurer unterschiedlich gelebt wird.
Wenn wir aber von der Freimaurerei als Instrument der Persönlichkeitsentwicklung und Selbsterkenntnis sprechen und das als Asset unseres Bundes betrachten, dann sollten wir auch dafür sorgen, dass die Brüder und Schwestern, die genau das in ihr suchen, Zugänge finden. Das wird aber nur funktionieren wenn wir in den Logen diese Zugänge auch schaffen. Dabei geht es um kompetente Ansprechpartner, Material, fundierte Instruktionen und Anregung durch die Bürgen.

Vielleicht ist das eine zentrale Frage für die Zukunft unseres Bundes, denn bei allen Diskussionen über Öffentlichkeitsarbeit und Modernisierung wird man nicht über die Mehrwertdebatte herumkommen.

Die Konkurrenz für die Logen ist groß. Netflix, Homeoffice, Fitness und Selbstoptimierung, Facebook, Twitter, Familie, usw. sorgen dafür, dass freie Zeit knapp ist. Insbesondere junge Brüder und Schwestern haben mit der Herstellung hier Work Life Balance oft eine große Herausforderung.

Logenabende können dazu einen sinnvollen Gegenpol bieten und Ruhe, Vertrauen und Verbindlichkeit als Mehrwert bieten. Darüberhinaus kann es aber nur hilfreich sein, dafür zu sorgen, dass das Freimaurer sein durch die Stärkung der Persönlichkeit und eine verbesserte Selbsterkenntnis einen echten Mehrwert schafft.

Wenn wir das sicherstellen, sind wir nicht nur interessant und modern, sondern grenzen uns auch gut kommunizierbar von anderen Vereinen ab.