Oslo-Attentäter ein radikal-islamkritischer christlicher Freimaurer-Nationalisten-Fundamentalist?

Wie bitte? Der Attentäter von Oslo ist Mitglied einer Freimaurer-Loge gewesen? Das hat die Großloge von Norwegen inzwischen bestürzt bestätigt. Ich frage mich: Wie kann jemand, der solch unendliches Leid über Menschen gebracht hat, einer Gemeinschaft angehört haben, die Humanität, Toleranz und Mitmenschlichkeit fördern will? Was ist da schief gelaufen? Die Sache ist aber m. E. noch viel abstruser: Anders Behring Breivik soll auch „überzeugter Christ“ (andere schreiben „Fundamentalist“) gewesen sein.

Wie falsch muss er dann bitte die Bibel verstanden haben? Angefangen beim Gebot „Du sollst nicht töten“ bis zur Nächstenliebe? Und auch Nationalisten und Islamkritiker, denen sich der Attentäter ebenfalls zurechnet, schlagen offenbar erschrocken die Hände über dem Kopf zusammen: Das ist komplett verrückt, da passt ja wirklich gar nichts zusammen! Hierin scheinen sich alle der erwähnten Gruppen, die nach Breiviks schrecklicher Tat nun erstmals in einem Atemzug genannt werden, einig – und im ohnmächtigen Mitgefühl für die Opfer und ihre Angehörigen sowie darin, dass eine solche Tat durch nichts, aber auch gar nichts zu rechtfertigen ist. Wer sein Mitgefühl ausdrücken oder seine Bestürzung äußern möchte, kann sich u. a. dieser Beileidsbekundung anschließen: http://www.facebook.com/freimaurerorden

Nachtrag: Wer das Breivik-Manifest »A European Declaration of Independence« nach dem Begriff »Freemason« durchsuchen lässt, wird vielleicht überrascht sein: Nur 11 Treffer auf 1516 Seiten! Dagegen die Begriffe »Christ« oder »Nation« in allen Vorkommensarten: Jeweils mehrere tausend Mal! Bei näherer Betrachtung der Freimaurer-Textstellen wird dann schnell deutlich, dass der Attentäter in der Loge etwas suchte, was er dort nicht gefunden hat: Die Spur der legendären Templer! Viele Autoren behaupten ja immer noch, die Tempelritter hätten sich nach ihrer Zerschlagung in die Freimaurerei geflüchtet. Das zwischen dem Ende des mächtigsten mittelalterlichen Ritterordens und dem Nachweis der ersten Logen mehrere hundert Jahre liegen, wird oft außer Acht gelassen. Breivik hat jedenfalls schnell wieder das Interesse an der Freimaurerei verloren und war alles andere alles ein eifriger Bruder, was er auch offen schreibt. Eine recht gut recherchierte Analyse der der Hintergründe von Anders Behring Breivik und der Freimaurerei findet sich in diesem Artikel der Zeit.


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23. Juli 2011 von freimaurer.online
Kategorien: Kritisches und Kritik | Schlagwörter: , , | 21 Kommentare
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Kommentare (21)

  1. So schrecklich! Wie war es möglich, dass er einer Freimaurerloge angehört sein konnte?????… Nicht zu fassen!!!

  2. Keine Frage, dass es sicher hierbei um einen unerträglichen Vorfall handelt, der eben an den 11.September erinnert wie an andere schrecklich Ereignisse. Aber unaufgeregt sollte mit der vermeintlich logischen Verknüpfung: Attentäter sei Freimaurer, umgegangen werden. Jede Loge hat auch den einen oder anderen „komischen Vogel“ in die Kolonne aufgenommen. Und ich maße mir an, dass es sich beim Osloer Attentäter um eine derat kranke Persönlichkeit handelt, die möglicherweise einen „guten“ Eindruck erweckte, eben als Mann von gutem Rufe, und den Brüdern gar nicht hat auffallen können, welch wirre Gedanken sich in seinem Kopf etablierten. (Ein derartiges Prüfprogramm vor Aufnahme rückte uns vielmehr wieder in die Ecke von Scientology o.a. obskuren Gemeinschaften). Ich empfehle daher eine klare Distanzierung der freimaurerischen Institutionen. Wir wissen, dass auch dies nicht die Vorurteile derer mindert, die ohnehin gegen die Freimaurerei eingestellt sind. Aber wir müssen auch nicht ein altes Klischee bedienen. Und ich halte es ebnfalls für schwierig, Kategorien wie „Fundamentalist“ oder „Nationalist“ zu wählen, ohne dafür objektiv belegbare Dokumente/Aussagen zu kennen oder Kriterien für eine solche Zuordnung zu formulieren.

  3. Ich glaube nicht , das so ein Mensch nur einen Funken Werte, Humanität oder Mitgefühl besitzt. Er ist kein Freimaurer, oder ein Christ – er ist ein Massenmörder. Ich denke, das manche einfach irgendwo dazu gehören wollen und einfach nur Mitfäufer ist bis solche dann durchknallen und sehr merkwürdigen Ideen verfallen.

    Mein Mitgefühl all jenen die Ihr Leben verloren haben und deren Angehörigen. Sowie allen die diese Schrecklichen Tat miterleben mussten , und diese Bilder wahrscheinlich nicht mehr vergessen werden können. Ihnen allen wünsche ich viel Kraft.

    • Ganz meiner Meinung! Freimaurer ist man zuerst und zuletzt im Herzen und nicht in einer Loge…

      • Dem stimme ich uneingeschränkt zu, ergänzend meine ich auch Freimaurer ist man ausserhalb der Loge im Herzen natürlich auch, nur zeigt man es nicht um einen persönlichen Vorteil daraus zu ziehen oder sein persönliches Ansehen zu steigern. Freimaurerei ist kein Imagefaktor, wird aber oft als solcher benutzt… Deshalb bin ich auch wieder ohne Schurz. Und ohne organisatorischen Aufwand. Frei ebend. Und weiter suchend.

      • Ob man Freimaurer ist oder war, darüber werden immer Dritte befinden, nicht die Mitgliedschaft in einer Loge ist dafür entscheidend… Man wird dafür erkannt oder eben nicht. An ihren Taten, orientiert an den Idealen, wird man sie denn erkennen. So gilt es in diesem Zusammenhang auch, sich und das innere System zu prüfen und
        Lehren daraus zu ziehen.
        Das Böse ist mal wieder Mensch geworden. Das wird nicht zu verhindern sein. Seine Entfaltungsmöglichkeiten sollten wir aber möglichst einschränken. Ich bin betroffen als Mensch und Maurer. Mein stilles Gedenken gilt den Opfern und mein Mitgefühl den Angehörigen.

        Gruß FS

    • Dieses Verhalten passt in keinster Weise zur Freimaurerei und ihrer Ideologie.
      Es miteinander in Verbindung zu bringen, wäre falsch. Eine klare Distanzierung ist unbedingt nötig.
      Leider kann man nie in einen Menschen hinein schauen. Man schaut immer nur vor den Kopf.
      Schlimm für die Heimatloge.
      Meine Gedanken sind bei den Opfern und deren Familien.

      Gruß,
      Br. AKJ

  4. Die Wichtigkeit und Ernsthaftigkeit für die Aufnahme eines Suchenden bekommt seit Freitag eine neue Dimension.
    Wie mein „Vorschreiber“ schreibt: „Freimaurer ist man zuerst und zuletzt im Herzen und nicht in einer Loge …“ – aber dazu muss man die Gewissenhaftigkeit eines Suchenden genau kennen.
    Mit brdl.: Grüssen, Ronaldo

  5. Natürlich ist diese Tat nicht mit freimaurerischer Einstellung zu verbinden, sofern man von Ideologie überhaupt sprechen kann. Ich kenne auch keine andere Einstellung, die solch einen Eahnsinn rechtfertigen könnte…
    Es muss sich doch aber auch die Frage stellen, wie die Freimaurerei mit Ihrer trditionellen Art der Erkenntnissvermittlung gewirkt hat bzw nicht gewirkt hat und die Loge an sich funktioniert bzw. nicht funktioniert hat, solch eine fehlgeleitete Seele nich erkannt und aufgefangen zu haben, oder? Immerhin war er nach eigenen Angaben 5 Jahre Freimaurer und ihm wurde Anfang des Jahres die Beförderung in einen Hochgrad bzw. eine Erkenntnisstufe angeboten, ich weis nicht nach welchen System die Loge arbeitet. Er selbst schreibt von einem kombiniertem 4-5 Grad. Dieses Angebot hat er aus Zeitmangel abgelehnt, die Tat plante er seit 2006. Also war er während der ganzen Zeit Logenmitglied und zumindest Br. Meister, bis zu seinem Ausschluss.

    • Ablehnung der Beförderung auf halbem Wege zum Erreichen des höchsten Grads wäre Anlass gewesen, sich etwas intensiver um diesen Bruder zu kümmern. Der „Zeitmangel“ war offenbar nur vorgeschoben, um sich abzusondern. Die Frage stellt sich also, ob er an den regelmäßigen Arbeiten mindestens ein Mal im Jahr teilnahm, um seine Mitgliedschaft nicht zu verlieren, wie es bei der schwedischen Freimaurerloge bisher meines Wissens üblich war. Natürlich hätte ein Ausschluss nicht das schreckliche Verbrechen verhindern können, doch wenigstens das teilweise durch Nazi- Verbot immer noch in Deutschland verbreitete negative Vorurteil über „Geheimbündelei“ nicht unnötig weiter verstärkt. Ich hoffe,
      man hat aus dem Osloer Beispiel gelernt, dass Bruderschaft ein Versprechen zu gegenseitiger Hilfe auch in kritischen Lebenslagen beinhaltet. Darin haben die Johannesbrüder offenbar gefehlt.

  6. es gibt viele gute menschen, aber grundschlechte leut (nestroy)

    es gibt immer wieder freimaurer in der geschichte die zu finsteren gestalten wurden. dieser jetzt ist nicht der erste und wird nicht der letzte sein.

    die freimaurerei kann das gute im menschen fördern und zur verbesserung des einzelnen beitragen – sie kann nicht das schlechte verhindern.

  7. Durch geschickte Camouflage ist es einem Verbrecher gelungen, sich das Vertrauen einer Loge zu erschleichen.
    Jede menschliche Organisation ( auch die Kirche ) hat dieses schon erfahren müssen.
    Die Freimaurerei setzt auf Nächstenliebe und Toleranz und kann
    deshalb keine Untersuchung auf den wahren Gedankengang eines an der Aufnahme Interessierten unternehmen, also keine
    Inquisation im Sinne des Wortes einführen.

  8. …und dennoch: dieser Mensch hat es geschafft, seine Bürgen und dann die anderen Brr. seiner Loge davon zu überzeugen, ein „Mann von gutem Rufe“ zu sein. War er einfach nur ein guter Schauspieler, der es geschafft hat, ein paar gutgläubige Menschen hinters Licht zu führen? Haben die Brr. wirklich nichts von seinen kruden Gedanken geahnt? Hätte es vielleicht eine sogar Chance gegeben, ihn von seinem Vorhaben abzubringen oder die Tat irgendwie zu verhindern?
    Auch wenn man ihn inzwischen schnellstmöglich rausgeworfen hat: Zum Zeitpunkt der Tat war er offenbar Mitglied einer Loge (das Wort „Bruder“ will mir in diesem Zusammenhang nicht über die Lippen kommen). Und damit kann ich als Freimaurer nicht umhin, mich für diese schreckliche Tat mitverantwortlich zu fühlen.
    Wir werden uns jedenfalls einige unangenehme Fragen gefallen lassen müssen.

  9. Für mich als Freimaurer seit 17 Jahren, ist es unverständlich, wie Behring Breivik die vielen Prüfungen vor seiner Aufnahme in unsere Bruderkette geschafft hat die Brüder seiner Bauhütte zu täuschen. Nach seiner Auf- und Annahme vergehen mindestens nochmals drei Jahre intensive Prüfung durch seiner Brüder. Vom Lehrlingsgrad zum Gesellengrad und nach einem weiteren Jahr zum Meistergrad. In der Regel vergehen bis zum Meistergrad mindestens drei Jahre. Ich kann es nicht fassen, dass sein menschliches Verhalten keinem in seiner Bruderschaft aufgefallen ist.
    Was lernen wir Brüder daraus: “darum prüfe wer sich ewig bindet”!!!!!.
    Nicht alles Aufnehmen was zu uns will. Mehr Klasse als Masse. Wir müssen die Zahl von 10.000 Mitglieder nicht auf jeden Fall erreichen. Prüfen, prüfen prüfen.

    Mit br. Grüßen
    Wolfgang Schwaneberg

    • Auch wenn mein Kommentar hierzu etwas spät kommt, so möchte ich doch auf einige Umstände hinweisen, die für den einen oder anderen Leser vielleicht aufschlussreich sein könnten.

      Anders Behring Breivik war seit Februar 2007 Mitglied der Osloer Johannisloge „St. Olaus til de tre Søiler“ (deutsch: St. Olav zu den drei Säulen) Nr. 8 gewesen und erhielt dort auch den Gesellen- und Meistergrad. Diese Loge ist die größte Loge Norwegens mit über tausend(!!!) Mitgliedern (Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Freimaurerloge_St._Olaus_der_drei_S%C3%A4ulen). Skandinavische Logen veröffentlichen ihre Mitgliederverzeichnisse, so dass diese Angabe glaubwürdig sein dürfte. Der Norwegische Freimaurerorden insgesamt hat über 19 000 Mitglieder, das sind auf die Bevölkerungszahl umgerechnet rund 20-mal so viele Freimaurer wie in Deutschland.

      Einer weiteren Meldung des Norwegischen Freimaurerordens zufolge (http://www.frimurer.no/ordenen/15-aktuelt/1193-den-terrorsiktede-var-ingen-aktiv-frimurer, auf Norwegisch) hat Breivik keine echte Aktivität als Freimaurer entfaltet und während seiner Mitgliedschaft insgesamt nur viermal an Arbeiten teilgenommen, seine Aufnahme, Beförderung und Erhebung bereits eingerechnet.

      Mangels näherer Einblicke verbietet sich natürlich ein Urteil über die Arbeit der norwegischen Brüder. Deutlich wird aber wohl, dass man als deutscher Freimaurer nicht einfach stillschweigend unterstellen kann, die Verhältnisse in Breiviks (ehemaliger) Loge müssten den aus eigener Anschauung bekannten Verhältnissen in deutschen Logen ähneln. Mit diesem Hintergrundwissen wird es vielleicht ein wenig verständlicher, wie ein Mensch mit einer solchen Vorstellungswelt die Aufnahme in eine Freimaurerloge erlangen konnte.

  10. Vielleicht macht man es sich auch zu einfach, hier doch überwiegend so zu tun, als sei Breivik eine Ausnahme, ein einzelnes schwarzes Schaf.
    Wie viele FM sind an den Katastrophen zB. im Irak und in Afghanistan beteiligt, sowohl auf britischer als auch auf amerikanischer Seite, oft wider besseren Wissens und Gewissens?
    Wieviele FM sitzen in ThinkTanks in den USA, die, sicher durchaus auch aus altruistischen Motiven, eine zynische Geopolitik ersinnen und rechtfertigen, die schon allzu oft an der Realität gescheitert ist und überflüssiges Leid über Millionen Menschen gebracht haben?
    Wie viele FM, v.a. in den USA sabotieren den intern. Gerichtshof und die UNO und waren an den Wahlbetrügereien in den USA beteiligt, durchaus teilweise auch, weil sie denken, über den Dingen zu stehen?
    War z.B. Pinochet kein FM, und wurde er ausgeschlossen, nachdem er seinen Br. Allende verriet ?

    Ehrlichkeit verlangt bei der Beantwortung dieser Fragen auch Mut.

    Es ist einfach so zu tun als sei man ja nur humanitären Zielen verpflichtet, und die Kritik den „Verschwörologen“ zu überlassen, aber auch sehr gefährlich, in halboffenen Systemen, wie die FM es nun einmal ist.
    Jede intransparente Gewaltanwendung ist verwerflich.

    Die Probleme die mit der Immigration in die westeuropäischen Länder verbunden sind, brennen vielen Menschen unter den Nägeln, sie fühlen sich alleine gelassen, wer Sarrazin „in die Beine grätscht“, wie z.B. die Springer Presse, wo ganz sicher auch noch einige Br. sitzen, um auch hier weiter ein zynisches „teile und herrsche“ Spiel spielen zu können, ist in meinen Augen auch nicht frei von Schuld. (eigene Erfahrungen)

    Selbstkritik und eine Wiederbesinnung auf republikanische Werte wären hier vielleicht zielführender.

    Auf einen anständigen FM kommen sicher immer noch tausende, bessere Profane und ein unanständiger FM ist keine Katastrophe, solange man den Mut aufbringt, diesem gegenüber adäquat gegenüberzutreten.
    Hand auf’s Herz, geschieht dass immer, s.o., wohl eher fast nie, oder?
    Vielleicht auch deswegen sind die Foren so voll mit dem Verschwörungsmist. Transparenz und Aufrichtigkeit wären m.E. angemessener.

    • Ui. Das klingt aber nach ’ner Menge Misstrauen – es scheint nämlich fast, als hättest Du schon Vermutungen bzgl. der Antworten auf Deine Fragen. Ich leider nicht. Genauso wenig könnten allerdings vermutlich die Kirche(n), die Republikaner oder Demokraten beantworten, wie viele ihrer Mitglieder im genannten Sinne involviert sind.
      Unabhängig davon hast Du aber sicherlich damit Recht, dass auch Freimaurer bestimmt keine ‚besseren Menschen‘ sind. Sie sollten sich aber permanent bemühen, an sich zu arbeiten, um ‚gute‘ Menschen zu sein. Das ist das Grundprinzip, um das es eigentlich in der Freimaurerei geht. Und ist es denn bei diesem Prinzip erstaunlich, dass bei diesem Grundsatz andere Mitglieder des Bundes z. B. hier ihr Erschrecken über das Oslo-Attentat bekunden, Unverständnis äußern, nach Antworten suchen, wie es trotz hoher Ideale zu einer solchen Tat kommen konnte? Gleiches haben doch unmittelbar nach dem Attentat auch Mitglieder und Vertreter der christlichen Gemeinschaft getan, denen sich Breivik – ebenso wie den Freimaurern – zugerechnet hat, sowie die Mitglieder und Vertreter der (meisten) politischen Gruppen, denen Breivik sich genauso nahe glaubte.
      Und ist denn Freimaurerei falsch, weil vielleicht manche, die meinten, Freimaurer zu sein, etwas Verwerfliches getan haben? Ist denn das, was sich als Christentum versteht, verwerflich, weil sich einige, die meinten, Christen zu sein, falsch verhalten haben? Ist denn Globalisierungskritik verdammenswert, wenn einige Globalisierungsskeptiker Amok laufen?
      Was beweist es denn, dass sicherlich jede größere Gemeinschaft/Gruppierung/Organisation von Menschen sogar trotz höchster Ideale auch schon umstrittene Mitglieder hervorgebracht hat?
      Wie auch immer: Ich bin mir jedenfalls ziemlich sicher, dass mindestens 99% der Freimaurer-Brüder, die ich kenne, mindestens einen zentralen Satz aus Deinem Text genau so unterschreiben würden: »Jede intransparente Gewaltanwendung ist verwerflich.« Wahrscheinlich würden sogar die meisten unterschreiben, das Gewaltanwendung an sich verwerflich ist, selbst wenn sie staatlich legitimiert scheint.
      Und unabhängig davon bin ich persönlich sogar auch insofern Deiner Meinung, dass tatsächlich was schief läuft, wenn sich in einer Demokratie immer mehr Menschen als Dauer-Verlierer einer Mehrheitsdiktatur fühlen, ebenfalls der Meinung, dass es nicht Ordnung ist, wenn die Politik in vielen Punkten ein Tempo vorgibt, bei dem immer mehr Menschen offenbar nicht mehr Schritt halten können, auf der Strecke bleiben, sich unverstanden fühlen – selbst dann, wenn die Mehrheit vielleicht noch mitkommt. Eine Gesellschaft kann nur funktionieren, wenn die Mehrheiten auch Rücksicht auf Minderheiten bzw. deren Sorgen und Ängste ernst nehmen und auf die Bremse treten, wenn andere nicht mehr mitkommen, auf der Strecke bleiben.
      Und mich würde aber vor allem noch eines interessieren: Was meinst Du genau mit »republikanischen Werten«? Was sind »republikanische Werte« für Dich?

  11. Vorneweg: Ich wollte ganz sicher nicht sagen dass FM, Christentum oder Globalisierungkritik falsch seien, weil irgendjemand etwas verwerfliches tut, aber alle Organisationen müssen sich daran messen lassen, wie sie mit problematischen Mitgliedern umgehen: Pius- Bruderschaft und Anonymous seinen mal als Beispiel für die anderen o.g. Organisationen genannt.

    Anders ausgedrückt: Es gibt in vielen Organisationen die ungesunde Tendenz, Positives herauszustellen und Negatives tendenziell zu ignorieren, schau dazu z.B. mal in die Wikipedia und mach Dir mal die Mühe dort einige Freimaurer (per Kategorie) zu ergänzen : Fidel Castro, Ho Chi Minh, Che Guevara, Hugo Chavez und Pinochet (Bei Pol Pot gibt es ebenso Hinweise, dass er während seiner Zeit in Frankreich ebenfalls FM wurde) seien hier bsw. mal genannt.Quellen dürften jeweils zu finden sein.
    Wieviele FM, die es in der WP nicht zu knapp gibt, unterstützen Dich dabei bei Deinem Unterfangen? Ich denke es gibt da schon die Tendenz zu sagen, na komm lass mal, ist doch nicht so wichtig, Ausnahmen gibt es immer usw. – oder?

    Im Internet findet sich viel Kritik über die FM, vieles ist unsachlich, aber eben auch nicht alles. Es gibt mE. nur wenige FM, die sich dieser Diskussion offen stellen, das ist zumindest mein Eindruck.

    ZB. wäre es hier vielleicht besser einfach einmal zu sagen: OK, Pinochet war FM, und er ist nicht ausgeschlossen worden, das war sicher falsch, oder irgendetwas in dieser Art, aber jetzt Allende posthum zum Säulenheiligen zu erklären und Pinochet totzuschweigen ist sicher nicht der gerade Weg.
    Vor allem dann nicht wenn fast 40 Jahre später noch immer nicht die alten Gräben überwunden sind (Lateinamerika).
    Aber wer bringt hier schon den Mut auf Klartext zu reden?

    „Was sind »republikanische Werte« für Dich?“

    Laizität, Gewaltenteilung, unteilbare Menschenrechte, Transparenz usw.

    Ich bin für eine grundsätzliche Trennung von Staat und Religion, und denke dass es in D (nicht in Fr und GB) viele Probleme die Zuwanderungsfragen betreffend gibt, die damit zu tun haben, Ehegattennachzug sei hier z.B. zu nennen, die Ehe muss der Staat nicht schützen, wir haben viele Probleme dadurch, wir kennen alle die Beispiele, Stichwort Anatolien.

    Andererseits ist es für mich aber z.B. auch ein Skandal von einem Türken mit deutschen Pass zu sprechen, dass ist für mich eindeutig „Rassismus“, den Staat hat auch nicht zu interessieren, ob ich geb.Türke oder Chinese, Moslem, Hare Krishna, oder Altkatholik oder was auch immer bin, solange ich mich an Recht und Gesetz halte.
    Die ganze Diskussion mit christlich-jüdischen Erbe und Leitkultur empfinde ich als höchst verlogen, diese Politiker sollten einfach Klartext reden, und aussprechen, was sowieso viele Menschen in Westeuropa denken: Wir haben genug Probleme und brauchen keine unqualifizierte Zuwanderung.

    Das wäre viel ehrlicher, dann könnte man offen auf die Zugewanderten zugehen und das beste daraus machen. So heizt man nur den Schnellkopftoch immer weiter an, bis er irgenwann explodieren muss.
    Mit Aufrichtigkeit und Anstand kommt man hier m.E. viel weiter, gerade den Türken tut man Unrecht, die „Guten“ hauen sowieso schon ab, und die das System ausnutzen, bleiben, dass ist eine Katastrophe und blutet uns langfristig aus, und später dann gibt man den Falschen die Schuld (Sozis,FM, Demokratie,Moslems und wie sie alle heissen), das hatten wir alles schon.

    Nocheins zu Breivik:
    In Palestina lebten in den 30 Jahren einige Tausend Juden, und „wir“ reden heute, ohne dass den Menschen der Zynismus überhaubt klar ist, von einer historischen Verantwortung D für ISR.
    Die Kombi bei den Broder/Breivik/Wilders/PI „Jungs“ ist einfach nur zum schreien komisch, wenn es nicht so traurig wäre:

    Also die „Moslems“ dürfen schon ihr Land für !unsere! Verbrechen hergeben aber das Unrecht aussprechen „dürfen“ dann nur Antisemiten, Nazis, und Islamisten, bloss keine Völkerrechtler, Bürger und Christen oder was weiss ich für Normalos, sonst kommt der „Onkel Broder“ und klopft euch auf die Finger – und das soll gutgehen ?

    Sorry das ganze Scheiss-Spiel das da die ganze Zeit schon läuft hat jetzt mal „westliche“ Opfer gefunden, nur die Dummen geben dafür Breivik die Schuld, ich neige fast zu denken, der arme Kerl, und die Zyniker die das all die Jahre schon mitmachen, Hand auf Herz, sind da keine FM dabei ? und wie geht man mit Ihnen um ?
    Man lädt sie zu Vorträgen ein, über Humanismus und all die anderen schönen Sachen…

    s.o. …wenn es nicht so traurig wäre.

    Ich hab mich etwas in Rage geredet, die Antwort ist etwas länger geworden, ist natürlich nicht persönlich oder sonst irgendwie gemeint, musste wohl nur mal raus :-)

    Danke für die Geduld.
    LG

    • Moin moin, lange Antworten sind kein Problem. Meine fallen ja auch nicht gerade kurz aus – wie Du gleich merken wirst! ;)

      Mal kritisch hinterfragt: Wie belastbar sind denn die Informationen, dass die genannten Personen tatsächlich Logen-Mitglieder gewesen sind? Es ist ja ein leichtes, über jedes schwarze Schaf der Welt zu behaupten, er wäre Freimaurer (oder was auch immer) gewesen. Man braucht sowas ja heutzutage nur in ein paar Foren zu posten und etwas zu warten, schon macht das Gerücht die Runde. Es reicht inzwischen sogar schon, nur zu schreiben »es wird gemunkelt, dass XY Freimaurer ist/war« oder »stimmt es eigentlich das XY einer ist?« und schon ist’s in der Welt. Jeder, dem die Freimauerei (oder was auch immer) ohnehin sinister erscheint, wird die ‚belastende Information‘ natürlich dankbar aufgreifen und weiterverbreiten – wer macht sich schon die Mühe, zu recherchieren, was wirklich stimmt, wenn’s Wasser auf die eigenen Mühlen bzw. ein gefundenes Fressen ist und ins Muster passt? Und je mehr Menschen solche Gerüchte verbreiten, desto weniger werden diese natürlich angezweifelt.

      Ich kann jedenfalls bspw. weder zu Pinochet noch zu Castro auf die Schnelle was finden, was aus meiner Sicht eine Mitgliedschaft belastbar belegt. Einigermaßen belastbar wird für mich eine Logenmitgliedschaft frühestens dann, wenn zum Namen auch noch ein Logenname und -ort zu finden ist. So bin ich zum Beispiel bei der Auswahl berühmter wie berüchtigter Freimaurer für eine Auflistung in meinem Buch vorgegangen. Aber inzwischen musste ich sogar feststellen, dass selbst die Nennung einer Loge noch kein guter Beweis für eine Mitgliedschaft ist. So habe ich mittlerweile (übrigens auf einer freimaurerischen Website) herausgefunden, dass die Loge, in der Charlie Chaplin Mitglied gewesen sein soll, gar nicht existiert, womit eine Mitgliedschaft nun zumindest wieder fraglich ist.

      Aber zurück zu Pinochet und Castro als Negativ-Beispiele einer mutmaßlichen Mitgliedschaft: U. a. auf diesen ganz gut informiert scheinenden Freimaurer-Seiten werden die beiden zwar auf- aber unter »Mitgliedschaft fraglich« geführt:

      http://freemasonry.bcy.ca/biography/pinochet_a/pinochet_a.html
      http://freemasonsfordummies.blogspot.com/2010/05/masonic-conflicts-in-cuba.html

      Vielleicht sind die genannten Personen ja auch genau deshalb nicht bei Wikipedia als Freimaurer geführt, eben weil sich deren Mitgliedschaft nicht (via Link zu irgendeiner belastbaren Seite) belegen lässt. Auf diesem virtuellen Nachvollziehbarkeitsprinzip fußt ja m. E. die Arbeistweise der Wikipedianer. Wie auch immer: Auf jeden Fall lässt sich aus meiner Sicht nicht unwidersprochen behaupten, dass bei Wikipedia nicht auch ganz offen Negativ-Beispiele als berühmte Freimaurer gelistet werden, wenn eine Mitgliedschaft belegbar scheint.
      So z. B. Henry Ford, einerseits ein wohl sozialer und erfolgreicher Arbeitgeber, andererseits aber ein umstrittener Antisemit, dazu Edgar Hoover, einerseits von manchen zu Lebzeiten als US-Patriot gefeiert, andererseits aber auch ein extrem umstrittener FBI-Direktor. Und als deutsches Beispiel: Axel Springer, der sich zwar zeitlebens für die Aussöhnung der Deutschen mit ‚den Juden‘ engagiert hat, aber auch umstrittener Medienunternehmer war. Übrigens führe nicht nur ich auch diese drei ganz offen in meinem Buch über Freimaurerei auf, obwohl es nicht unbedingt immer von Vorteil ist. ;)

      Klar ist für mich aber: Sollte bspw. Pinochet tatsächlich Freimaurer (besser: »Logenmitglied«, denn Freimaurerei als Lebens-Einstellung stünde im eklatanten Widerspruch zu seinem mir bekannten Handeln) gewesen sein, wäre es – nach allem was ich von ihm weiß – für mich durchaus ein Grund, mich von ihm zu distanzieren. ‚Rausschmeißen‘ geht ja nicht mehr.

      Eine m. E. sehr gute freimaurerische Quelle, die ganz offen schwarze wie weiße Schafe listet, deren Mitgliedschaft wahrscheinlich scheint, aber auch »weiße Schafe«, die nach neusten Erkenntnissen offenbar doch keine Freimaurer waren, auch wenn sie immer wieder gerne als solche (auch von Freimaurern) genannt werden (z. B. Jazz-Legende Louis Armstrong, Pfadfinder-Gründer Baden-Powell, die Hollywood-Größen James Cameron, Jerry Bruckheimer, Nicholas Cage, Sean Connery, Charly Chaplin und Leonardo di Caprio sowie ‚Baumeister‘ Gustave Eiffel oder US-Gründervater Abraham Lincoln uvm.) ist:

      http://www.masonicinfo.com/famous.htm
      http://www.masonicinfo.com/blksheep.htm
      http://www.masonicinfo.com/infamous.htm

      Ich kann also nicht unbedingt erkennen, dass schwarze Schafe der Freimaurerei von Freimaurern prinzipiell totgeschwiegen werden (im Gegenteil empfinde ich sogar den Umgang mit diesen als eher offen) – aber es macht ohne Zweifel auch Freimaurern mehr Freude, sich mit den weißen Schafen zu schmücken. Da wirst Du Recht haben. ;)

      Nun aber noch mal zurück zu republikanischen Werten:

      »Laizität, Gewaltenteilung, Menschenrechte, Transparenz usw.« sind Werte, die auch Freimaurer teilen – z. T. haben sie sogar dafür gestritten und sich dafür aufgeopfert. Vgl. z. B. https://www.freimaurer.online/geheimbund. Ich arbeite diesbezüglich übrigens auch gerade an einem Essay mit dem (noch) etwas sperrigen Titel »Von Alten Pflichten über die Unabhängigkeitserklärung bis zu Menschenrechten und Wikileaks – die (R)evolution einer freimaurerischen Idee?«

      Und last but not least: Ja, viele, der von Dir genannten weiteren Mißstände brennen auch mir und vielen anderen mir bekannten Brüdern unter den Nägeln. Ja, ich glaube sogar, dass mancher Freimaurer-Kritiker überrascht wäre, wie viele zeitkritische Brüder er in unseren Reihen fände, obwohl ja viele Kritiker meinen, gerade ‚die Freimaurer‘ wären Schuld am spukenden Zeitgeist. Ich habe sogar manchmal das Gefühl, das manche Logen geradezu Sammelbecken von ‚Zeitgeistflüchtlingen‘ sind – wo wird bspw. schon noch gemeinsam die Nationalhymne gesungen, aufs Vaterland getrunken, wird versucht, Brüderlichkeit zu pflegen, vergangene Dichter und Denker in Ehren zu halten und neue zu fördern, ohne das es gleich nach ‚brauner Soße‘ schmeckt? Ja, eine Loge ist auch für mich ein weltoffen-heimatverbundener Rückzugsraum – das Gebot, bei freimaurerischen Versammlungen eben nicht über Politik und Religion zu diskutieren, dies den Kirchen und Parteien zu überlassen, lieber zu suchen, was einen mit anderen verbindet und nicht, was einen trennt – das erlebe ich jedenfalls als äußerst wohltuend! :)

      • „was einen mit anderen verbindet und nicht, was einen trennt“, in diesem Sinne…
        Danke für Deine (Eure) Offenheit.
        Johan Steinberg

  12. Ist es möglich, das ein von einer FL. geprüfter freier Mann von gutem Ruf, innerhalb von drei Jahren an Schizophrenia so erkrankt, dass er zum Massenmörder wird?
    Ich denke hier sollten die prof. Gutachter nochmals darüber nachdenken, ob der Massenmörder Breivik so leicht davon kommt. Hier haben es sich seine Strafverteidiger gut ausgedacht. „Schizophrenia“ er kann ja nicht dafür!
    Er könnte nach einigen Jahren wieder frei kommen!
    Ich hoffe, dass diese Mensch nie wieder einen anderen Menschen bedrohen kann.

    M.f.G. Br. Wolfgang Schwaneberg