Geheimbund/Geheimbünde?

Geheimbünde – wie geheim sind sie wirklich und sind wirklich auch die Freimaurer ein Geheimbund? Wir bringen etwas Licht ins Dunkel:

Das Recht auf Privatssphäre – eine Freimaurer-Erfindung?

Geheimbünde – warum die Freimaurer kein Geheimbund (mehr) sind, aber trotzdem (noch) »Geheimnisse« haben

Was würdest Du sagen, wenn jemand (heimlich) Deine Mails mitliest, Dich oder Deine Wohnung ausspioniert und immer wissen möchte, was Du gerade machst, mit wem Du Dich triffst – auch in Deiner Freizeit?

Hast Du denn was zu verbergen? Geheimnisse? Was ist mit privaten Dingen, die Dir Freunde anvertrauen? Plauderst Du diese »Geheimnisse« aus? Nein? Bist Du mit Deinen Freunden deshalb auch eine Art Geheimbund? Wohl kaum. Genauso wenig, wie man Berufsgruppen, die Berufsgeheimnisse schützen – Ärzte, Anwälte, Psychologen oder Journalisten – als Geheimbünde bezeichnen kann, nur, weil sie verschwiegen sind oder Geheimnisse haben.

Über Geheimbünde zum Recht auf Meinungsfreiheit und Privatsphäre

Das Recht auf Privatsphäre ist – wie auch das Recht auf Meinungsfreiheit – ein Menschenrecht! Es soll uns alle – auch Dich – vor Willkür und Diskriminierung schützen.

Wusstest Du, dass Menschenrechte in Europa erstmals in den »Allgemeinen Erklärungen der Menschen- und Bürgerrechte« vor rund 220 Jahren von einem französischen Freimaurer niedergeschrieben wurden? Mittlerweile sind sie von den Vereinten Nationen anerkannt.

Doch um u. a. ein Menschenrecht auf Privatsphäre durchzusetzen, mussten Menschen vorher dafür kämpfen. Und zwar gegen die seinerzeit Herrschenden, die »ihr« Volk oder »ihre« Gläubigen als ihr Eigentum betrachtet und auch so behandelt haben.

Einige der Vorkämpfer für Freiheit und Menschenrechte haben sich seinerzeit »Freimaurer« genannt und in Logen zusammengeschlossen. U. a. um sich vor Über- und Zugriffen der Herrschenden zu schützen und sich in den Logen einigermaßen sicher und ungestört austauschen zu können, haben sich diese Freimaurer gegenseitig geschworen, keinem Außenstehenden zu verraten, wer noch Mitglied der Gemeinschaft ist oder worüber in den Logen gesprochen wird. Das hat sie natürlich zum leichten Ziel für Verleumdungen aller Art gemacht. Weil sich Logen anfangs wie Geheimbünde schützen mussten, hat sich auch heute noch das Gerücht, die Freimaurerei wäre ein Geheimbund – obwohl die Logen längst im Internet zu finden, im Vereinsregister samt Vorstand eingetragen sind oder sogar wie in Norwegen die komplette Mitgliederliste im Internet veröffentlichen). Und Du wirst auch verstehen, warum es andere Menschen und Gruppierungen gibt, denen das Recht auf Privatsphäre immer schon ein Dorn im Auge war und diese deshalb all jene verdächtigen und vielleicht sogar als »Verschwörer« verleumden, die sich ihr Recht auf »Privatsachen« herausnehmen. So ist es jedenfalls auch zu vielen Gerüchten über »die Freimaurer« als Geheimbund gekommen.

Echte und falsche Geheimbünde

Die Eule der Minerva, das »Logo« der legendären Illuminaten, soz. dem Geheimbund der GeheimbündeDas die Freimaurer schon lange nicht mehr in die Kategorie der Geheimbünde gehören, zeigt sich an der Geschichte eines tatsächlichen Geheimbunds: Den legendären »Illuminaten«. Die Illuminaten wurden vom Ingolstädter Hochschullehrer Adam Weishaupt gegründet, der zwar einer Freimaurer-Loge beitrat, jedoch lediglich um sich dort Anregungen für ein eigenes Ritual- und Gradsystem zu holen und Freimaurer als Mitglieder zu werben. Freimaurer, denen die Freimaurerei mit ihrem traditionellen Verbot in Logen über Politik und Religion zu streiten oder sich verschwörer- bzw. umstürzlerisch zu betätigen, viel zu harmlos war. Freimaurer, denen der Kampf für Freiheit und Aufklärung und gegen den die Vorherrschaft des Adels nicht schnell genug gehen konnte. Tatsächlich hatte Adam Weinhaupt bei seiner Mitgliederwerbung anfangs auch einigen Erfolg gehabt: Einige bekennende Freimaurer traten auch den Illuminaten bei, darunter Goethe und Knigge. Aber das heißt natürlich noch lange nicht, dass die Freimaurer deshalb mit Geheimbünden wie den Illuminaten gemeinsame Sache gemacht haben. Die meisten traten sogar schnell wieder aus. Und auch die Umtriebe der Illuminaten flogen ziemlich schnell auf, so dass der Geheimbund schon kurz nach seiner Entstehung zerschlagen und verboten wurde. Das hindert einige Menschen aber nicht, daran zu glauben, dass die Illuminaten weiter existierten und heute als einer der mächtigsten Geheimbünde die Welt beherrschen.

Warum Freimaurer kein Geheimbund mehr sind, aber trotzdem noch für ein Recht auf »Geheimnisse« einstehen

Obwohl sich in den letzten 200 Jahren viel geändert hat, hat die »Tradition der Verschwiegenheit« gegenüber Nichtmitgliedern für viele Freimaurer bis heute weitestgehend Bestand.

Immerhin wurden noch vor rund 70 Jahren in Europa Menschen systematisch verfolgt und getötet, wenn sie – aus Sicht der Herrschenden – den »falschen« Glauben hatten oder der »falschen« Partei angehörten. Noch vor 20 Jahren kam man in manchen Staaten Europas ins Gefängnis, wenn man zu Hause den »falschen« TV- oder Radiosender gehört hat. Und noch vor 15 Jahren wurden in Europa tausende Menschen abgeschlachtet, die der »falschen« Bevölkerungsgruppe angehörten. Unglaublich, oder?

Das ist aber noch lange nicht alles! Selbst heute noch gibt es sogar in Europa Staaten, ja selbst in Deutschland Gegenden, in denen es nicht vollkommen egal ist, ob Du katholisch oder evangelisch, gläubig oder nicht oder Mitglied der einen oder anderen Partei oder Gruppierung bist.

Nicht Dein Problem? Dann drücke ich Dir die Daumen, dass das auch so bleibt!

Denn auch Du gehörst garantiert nicht nur irgendeiner Mehrheit, sondern auch irgendeiner wie auch immer gearteten Minderheit an. Diskriminierung und Willkür gab’s in der Geschichte der Menschheit nämlich schon aus jeder Richtung: Von links und rechts, von oben und unten, von Gläubigen und Ungläubigen, von Männern und Frauen, von Bürgern und Arbeitern usw. Und wenn Du Pech hast, kommt irgendwann vielleicht mal jemand an die Macht, für den ausgerechnet Du plötzlich der »falschen« Partei, Konfession oder Religion angehörst, den »falschen« Beruf oder die »falschen« Freunde hast.

Dann kannst Du nur hoffen, dass all dies immer noch eigentlich niemanden etwas angeht! Weil es eigentlich ja Dein »kleines Geheimnis«, Deine Privatangelegenheit ist – auf welche wir alle hoffentlich auch künftig immer noch ein Recht haben. Jedenfalls pochen viele Freimaurer auch weiterhin auf das Recht auf Privatsphäre zur freien Entfaltung der Persönlichkeit. Und das zum Glück längst nicht mehr alleine, wie ja bspw. das obige Banner von »Amnesty International« beweist.

Amnesty kämpft als Gruppierung mit offenem Visier. Andere »operieren« weiterhin lieber – wie seinerzeit die frühen Freimaurer – aus einer gewissen Anonymität heraus. Z. B. aus der modernen Anonymität des Internets. Und organisieren sich nicht mehr in Logen oder NGOs, sondern in Message-Boards bzw. ebenfalls über das Netz.

So wie bspw. die »Anonymous«-Aktivisten, die sich heutzutage gegen Totalüberwachung und Beschneidung des Rechts auf Privatsphäre wehren.

Und das ist vielleicht auch gut so: Denn ohne das Internet und die Möglichkeit, sich über »das Netz« zu vernetzen und sich durch weitgehende Anonymität selbst dort frei zu äußern, wo das Menschenrecht auf freie Meinungsäußerung nichts gilt, wären Umwälzungen wie im »Arabischen Frühling« wohl kaum denkbar.

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Nicht von gestern - Freimaurer heute plan 20131227-124104.jpg

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