Geistesblitz: *BAM!* Jo, das ist Freimaurerei!

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Gestern Abend in meiner Loge: Freimaurerischer Besuch aus England. Darunter: Ein LKW-Fahrer, ein Bauer, ein Marine-Soldat, Akademiker und Handwerker, Brexit-Befürworter und -Gegner, Royalisten und Demokraten, EU-Skeptiker und -Verfechter, Alte und Junge.

Und obwohl wir über »Gott und die Welt« gesprochen haben… und egal wie weit wir inhaltlich und geographisch voneinander entfernt sein mögen (vielleicht auch bleiben werden):

Wir waren neugierig, haben uns zugehört, haben nachgefragt, gemeinsam gefeiert, gelacht und uns zum Abschied in den Armen gelegen, zum Andenken Krawatten gegen Fliegen und bestickte Logen-Taschentücher getauscht – der LKW-Fahrer, der Bauer, der Marine-Soldat, die Brexit-Befürworter und -Gegner, EU-Skeptiker und -Verfechter. Menschen, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten. Menschen, die sich ohne Freimaurerei vielleicht nie begegnet wären. Menschen, die sich – trotz Freimaurerei – zum Großteil bis gestern vorher noch nie begegnet waren. Nein, wir mussten nicht einer Meinung sein. Menschsein war genug.

Und da war er dann plötzlich wieder:

Dieser kostbare Moment, wo man denkt »Jo, das ist Freimaurerei!« – und man auf einmal wieder ganz genau weiß, warum sie – gerade in Zeiten wie unseren – so unendlich wertvoll ist.

Thank you, Brethren! Thanks for all. :)

[English translation in the comment section below]

26. November 2016 von Philip Militz
Kategorien: Maurerwort-Kolumne | 6 Kommentare

Die Freiheitsstatue – ein Freimaurer-Denkmal?

Freiheitsstatue ein Freimaurer Denkmal? Foto by Christoph Radtke - Own work, CC BY 3.0, www.commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=40136408

Foto by Christoph Radtke – Own work, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=40136408

Ist die New Yorker Freiheitsstatue wirklich ein Freimaurer-Denkmal? Ein Gastbeitrag zu »Lady Libertys« 130. Geburtstag – von Dieter Ney:

Wieso Miss Liberty nicht sexy ist und was die Freimaurer damit zu tun haben

Eine Hauptrolle hat Miss Liberty meines Wissens in noch keinem Hollywood-Film bekommen, aber immerhin bringt sie es auf eine stattliche Anzahl von meist sehr symbollastigen Auftritten in vorzugsweise amerikanischen Produktionen, ja, und meist sieht sie dabei nicht immer gut aus – man denke dabei „Independence Day“ (1996), „The Day After Tomorrow“ (2004), „Cloverfield“ (2008) und (für die älteren Leserinnen und Leser) „Planet der Affen“ (1968), allesamt Science Fiction Filme, in denen die Dame von Außerirdischen angegriffen und in Einzelteile zersprengt zum gefährlichen Geschoss wird oder etwas alterszerzaust als Artefakt einer vergangenen Epoche, mal mehr mal weniger zerstört, aus dem Wüstensand oder dem Wasser ragt. Das hat man nun davon, wenn man als Ikone schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat.

Auch wenn die Freiheitsstatue weiterhin eine unbestrittene Hauptattraktion der Weltstadt New York ist, irgendwie scheint ihre symbolische Bedeutung, das Versprechen der Freiheit, etwas gelitten zu haben, wenn die alte Dame in der Populärkultur nur noch als Opfer von filmischem Schabernack oder als postapokalyptische Metapher für eine längst sich als naiv erwiesene und untergegangene Ordnung taugt.

Die Geburtsstunde der Freiheitsstatue

Glaubt man dem Bericht des Bildhauers und Freimaurers Frédéric-Auguste Bartholdi (1834-1904), war die Geburtsstunde für ein Denkmal, dass der Freundschaft zwischen Amerikanern und Franzosen gedenken und dass er als symbolische Darstellung der Freiheit entwerfen und realisieren sollte, ein Abendessen im Jahr 1865 im Hause des liberalen Rechtsprofessors und Politikers Édouard Laboulaye (1811-1883).

Leidenschaftlich rief Laboulaye an diesem Abend den Besuchern seines Salons in Erinnerung, dass das Verhältnis zwischen den Franzosen und den Amerikanern ein ganz besonderes sei, das seinen herausragenden Ausdruck in der Teilnahme französischer Soldaten im Krieg für die amerikanische Unabhängigkeit gefunden hat. Auf politischer Ebene war es zum damaligen Zeitpunkt eher schlecht um dieses Verhältnis gestellt: Frankreich wurde autoritär von Napoleon III. regiert und die Amerikaner hielten es eher mit den Deutschen (die sie später, im Krieg 1870/71, gegen Frankreich unterstützten). Da also mit politischer Unterstützung nicht zu rechnen war, gedachte man, dieses Projekt privat zu finanzieren. Es sollte kein Geschenk der französischen Regierung an die Amerikaner sein, sondern ein solches der französischen Bevölkerung.

Schützende Mutter statt zorniger Rächerin

Als Symbol dieser Freiheit sah Laboulaye eine Frau, näherhin die schützende Mutter. Darin distanzierte er sich deutlich von der berühmten Darstellung der Freiheit auf dem Gemälde Die Freiheit führt das Volk von Eugène Delacroix (1798-1863) aus dem Jahr 1830, auf dem die Freiheit als Rächerin mit entblößter Brust und barfuss mit der wehenden Trikolore in der nach oben gereckten Hand im Kampfgetümmel über die Barrikaden steigt – eine ikonische Darstellung der Marianne, die als Nationalfigur der französischen Republik in der Dritten Republik (1870-1940) die in der Verwaltung bis dahin allgegenwärtigen Büsten des gestürzten französischen Kaisers Napeleon III. ersetzte. Die Idee Laboulayes, die Freiheit durch eine schützende Mutterfigur zu symbolisieren, frei von jeder Agressivität, übernahm Bartholdi für seinen Entwurf der Freiheitsstatue.

Freimaurer als Geburtshelfer der Freiheitsstatue

An der Realisierung der Statue waren maßgeblich Freimaurer beteiligt. Der Freimaurer und Architekt Richard Morris Hunt (1828-1895) übernahm die Aufgabe, den Sockel zu errichten, die technische Realisierung der Statue in Form einer innovativen Gittermast-Stahlkonstruktion lag in der Obhut der Firma des Freimaurers Gustave Eiffel (1832-1923). An der Finanzierung der Statue waren französische Freimaurer beteiligt, und es ist kein Zufall, dass das Logo der zur Finanzierung gegründeten Gesellschaft dem Bijou der Loge Bartholdis sehr ähnelte. Man zog alle Register, um das nötige Geld zu organisieren: Lotterien, Benefizveranstaltungen, ja sogar Lizenzvergaben (eine Sektmarkte verwendete eine Darstellung der Statue auf ihrem Etikett).

Die Grundsteinlegung für den Sockel im Jahr 1884 fand in Anwesenheit vieler Freimaurer statt und wurde von führenden Freimaurern durchgeführt. Allerdings gab es Probleme. Die Amerikaner sollten die Finanzierung des Sockels übernehmen, was sich als schwierig erwies. Die reichen Eliten ebenso wie die Politik hatten keinerlei Interesse an dem Projekt, was sich auch darin zeigte, dass bei der Grundsteinlegung weder Vertreter der Stadt noch der Regierung anwesend waren. Dass die Finanzierung dennoch gelang, ist dem schillernden Verleger Joseph Pulitzer (1847-1911) zu verdanken, der in einer breit angelegten Kampagne die einfachen Leute für das Projekt gewann. Er versprach auch Kleinstspender namentlich in seiner Zeitung zu nennen, berichtete täglich über die Baufortschritte, schrieb Lotterien aus und ließ – wahrscheinlich fingierte – Leserbriefe publizieren, in denen für das Projekt geworben wurde. Nach einem Jahr war die Finanzierung gesichert.

Der Geburtstag der Freiheitsstatue

Der Tag der Einweihung, der 28. Oktober 1886, war für Bartholdi ein Tag des Triumpfes. Mehr als zwanzig Jahre waren seit dem denkwürdigen Abendessen bei Édouard Laboulaye vergangen. Nun stand er im Zentrum eines Autocorsos, der sich durch eine Million Zuschauer bewegte und während der es zum ersten Mal zu einer Konfettiparade kam, als die Börsenhändler beim Passieren der New York Stock Exchange große Mengen Börsenticker-Meldungen auf die Straße herabrieseln ließen.

Ist die Freiheitsstatue ein Freimaurer-Denkmal?

Ist damit die Freiheitsstatue ein freimaurerisches Denkmal? Unbestritten waren viele Freimaurer bei der Planung, der Realisierung und der Finanzierung des Denkmals involviert. Die Grundsteinlegung folgte freimaurerischer Tradition in Anwesenheit von Freimaurern. In baulichen Details gibt es Symbole, die auch in der Freimaurerei Verwendung gefunden haben. Das Denkmal feiert auch die Idee der Freiheit, die besonders der französischen Freimaurerei so wichtig war.

Dennoch: die Grundidee, die Édouard Laboulaye entwickelte, war keine freimaurerische. Er wollte der besonderen Freundschaft zwischen Franzosen und Amerikanern gedenken, die sich im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg bewiesen hat und die von der französischen wie amerikanischen Politik aus dem öffentlichen Bewusstsein gedrängt worden war. Ein Denkmal, das in die Gedankenwelt der Freimaurerei einführt, ist die Freiheitsstatue sicherlich nicht. Und selbst wenn sie dies gewesen wäre, dann zeigt die weitere Geschichte, wie wenig die ursprüngliche Bedeutung für das spätere Verständnis der Statue eine Rolle spielte.

Wer erinnert sich heute beim Betrachten der Freiheitsstatue noch an das Verhältnis zwischen Frankreich und Amerika? Stattdessen steht sie heute für den amerikanischen Traum, das Versprechen eines Lebens in Freiheit, das so viele Einwanderer lockte. Und wenn man die Freiheitsstatue in aktuellen Filmen eher im zerstörten Zustand sieht, dann erinnert das daran, wie bedroht auch die Idee der Freiheit sein kann.

– der Autor dieses Gastbeitrags, Dieter Ney, ist u. a. Leiter der renommierten »Akademie forum masonicum«. Mehr zur Geschichte der Freiheitsstatue und ihren freimaurerischen Hintergründen gibt es in seinem hervorragendem Buch »Müssen Freimaurer Vampire jagen«.

29. Oktober 2016 von Philip Militz
Kategorien: Forschung, Geschichte, Geschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , , | 5 Kommentare

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