Bruno Ganz und (m)ein Freimaurer Ring vom FC St. Pauli

Freimaurer Ring

»Na?! Auch FC St. Pauli Fan?!« Ich wurde in letzter Zeit so oft auf meinen Freimaurer Ring angesprochen, dass es irgendwie an der Zeit war, einen Artikel über Freimaurer Ringe zu verfassen.

Dabei habe ich wieder mal einiges lernen können: Wusstet Ihr z. B., dass einer der bekanntesten und renommiertesten deutschsprachigen Schauspieler einen Freimaurer Ring trägt – womöglich ohne das zu wissen? Aber eins nach dem anderen…

Mein Freimaurer Ring

Meinen silbernen Freimaurer Ring trage ich an der linken Hand:

Vorne drauf ein Totenkopf mit gekreuzten Knochen auf schwarzem Grund mit einer umlaufenden Inschrift: »Virtus iunxit mors non separabit«. Heißt in etwa: Was Tugend vereint, kann der Tod nicht trennen.

Der Totenkopf hat für mich zweierlei Bedeutung: Einerseits erinnert er mich daran, was Freimaurern der Meister-Grad vor Augen führen bzw. bewusster machen soll: Dass das Leben endlich ist, man nie weiß, wie viel Zeit einem bleibt, weshalb man sich auf das Wesentliche konzentrieren und seine Zeit sinnvoll nutzen sollte.

Andererseits hat der Totenkopf für mich aber auch noch eine ganz alltägliche Bedeutung: Er steht tatsächlich für St. Pauli – für den Stadtteil Hamburgs, in dem ich inzwischen einen großen Teil meines Lebens verbringe. Der Totenkopf mit gekreuzten Knochen auf schwarzen Grund ist nämlich eine Art inoffizielles Logo des FC St. Pauli und damit zugleich so etwas wie ein Logo dieses einzigartigen Stadtteils geworden. Und damit wäre dann auch geklärt, warum man mich wegen meines Freimaurer Rings so oft für einen FC St. Pauli Fan hält. ;)

Weitere Freimaurer Ringe und Symbole

Es gibt natürlich noch viel mehr Freimaurer Ringe: Ganz allgemeine, aber auch solche, die bestimmten Graden bzw. Erkenntnisstufen entsprechen. In der Lehrart des Freimaurerordens tragen z. B. viele Brüder ab dem 8. Grad gerne einen sog. »Kapitelring« (s. Foto oben links).

Ich habe mal gehört, dass mein Freimaurer-Ring angeblich in amerikanischen »Hochgraden« beliebt sein soll, aber das wusste ich beim Kauf noch nicht. Mir hat der Ring damals einfach gefallen. Heute weiß ich, dass lediglich der Spruch meines Ringes auf der Innenseite des Ringes stehen soll, den man im Hochgradsystem des »AASR« üblicherweise ab dem 14. Grad trägt (o. r. – u. l. der Ring, der hierzulande im AASR ab 33. Grad getragen wird).

Der Symbolvielfalt von Freimaurer Ringen sind keine Grenzen gesetzt. Üblich sind typische handwerkliche Symbole wie Winkel und Zirkel, Mauersteine und Kettenglieder (stehen für die Verbundenheit der Freimaurer untereinander). Es gibt aber auch weniger bekannte Symbole wie den Akazien-Zweig (als eine Art »Immergrün« ein altes Symbol für »Leben«) und die vor allem in den Hochgradsystemen verbreiteten Templer-Kreuze und Pyramiden (auf dieser Seite des Freimaurer Wikis gibt es eine ganz schöne Übersicht zu Freimaurer-Ring-Sichtungen in Filmen und einige weitere Erläuterungen).

Bruno Ganz – Zufalls-Träger eines »Freimaurer Rings«? Foto 2011 by Loui der Colli [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia CommonsEinen Freimaurer Ring zu tragen ist übrigens keine Pflicht. Die meisten Brüder tragen keinen. Andererseits gibt es aber auch Menschen, die einen Freimaurer Ring tragen, ohne es zu wissen. Bspw. hatte einer meiner ehemaligen Arbeitskollegen auf einem Flohmarkt einen Winkel-und-Zirkel-Ring gekauft, weil er ihm gefiel. Ein anderer dieser »Zufalls-Träger« ist womöglich Bruno Ganz (s. Foto). Denn der »Freimaurer Ring«, den der bekannte Schauspieler trägt, ist nur im übertragenen Sinn ein Freimaurer Ring und dessen freimaurerischer Hintergrund weitestgehend in Vergessenheit geraten:

Der Iffland Ring

Der sog. »Iffland Ring« wird von seinem jeweiligen Träger jeweils dem seiner Meinung nach wichtigsten lebenden Schauspieler vermacht.

Das Schmuckstück geht auf den Freimaurer August Wilhelm Iffland zurück (1759-1814), der als einer der bedeutendsten Schauspieler, Intendanten und Dramatiker seiner Zeit galt, mit Freimaurern wie Goethe und Lessing verkehrte und sich für seinen Ring (möglicherweise waren es ursprünglich sogar mehrere) wahrscheinlich von Lessings sog. »Ringparabel« aus dessen Theaterstück »Nathan der Weise« inspirieren ließ.

Die freimaurerischen Bezüge des Iffland Rings sind inzwischen weitestgehend in Vergessenheit geraten, nicht aber der Ring selber: Er gehört mittlerweile offiziell der Republik Österreich und gilt nach wie vor als eine der wichtigsten Auszeichnungen für Theater-Schauspieler – womit man sich nun auch denken kann, warum Bruno Ganz einen »Freimaurer Ring« trägt, womöglich ohne dessen Geschichte bzw. freimaurerischen Hintergrund zu kennen.

Deutungsmöglichkeiten

Last but not least nun noch eine kleine lehrreiche Schluss-Pointe zu meinem Freimaurer-Ring:

Im Ausland hielt mich ein kleiner Junge wegen meines Rings mit Schädel und gekreuzten Knochen kürzlich nicht etwa für einen FC St. Pauli Fan, sondern: für einen Piraten (Ihr könnt Euch vermutlich denken, wie er mich gemustert hat und wie ich schmunzeln musste) – ein schönes Beispiel dafür, wie viele unterschiedliche Deutungsmöglichkeiten ein Symbol haben kann. Es sind nunmal unsere Erfahrungen und Interpretationen, die einem Symbol erst seine Bedeutung verleihen. Auch und gerade in der Freimaurerei (wer tiefer in die freimaurerische Symbolik einsteigen will, findet hier die wichtigsten Freimaurer Symbole erklärt – u. a. anhand eines weiteren außergewöhnlichen Freimaurer-Schmuckstücks).

Freimaurer Ringe kaufen

Nun noch zur häufig gestellten Frage, wie und wo man Freimaurer Ringe kaufen kann: Die meisten sind frei verkäuflich (weshalb ein Freimaurer-Ring nicht heißen muss, dass der Träger auch Mitglied einer Loge ist). Meinen Ring habe ich damals in der Bodenseeschmiede gekauft. Empfehlen kann ich aus eigener Erfahrung aber auch folgende Online-Shops (nein, ich bekomme keine Provision):

18. August 2016 von Philip Militz
Kategorien: Freimaurer allgemein, Freimaurer-Kuriositäten, Geschichten, Rituale, Grade, Symbole | Schlagwörter: , , , , , , , | 1 Kommentar

Geldof, Gabriel, Sting? Vorsicht mit Listen prominenter Freimaurer!

Bildschirmfoto 2016-07-25 um 17.06.55

Seit einiger Zeit landen immer mehr Besucher über die Seite der österreichischen Großloge auf meinem Blog – die Brüder haben ihren Internetauftritt überarbeitet und übernehmen als erste Großloge meine freimauer.online-Meldungen als Newsfeed. Thank you, Austria – eine schöne Überraschung und ein großer Vertrauensbeweis. Die neue Seite (www.freimaurerei.at) kann sich sehen lassen. Nicht nur aufgrund der Einbindung meines Blogs. ;)

Der Relaunch der Seite ist indes natürlich auch der Presse nicht verborgen geblieben. Die renommierten Salzburger Nachrichten haben den (politischen) Hintergründen des Neustarts einen umfangreichen Artikel gewidmet (»Österreichs Freimaurer sind ins Netz gegangen«). Der Text ist grundsätzlich ausgewogen, enthielt allerdings für mich auch Überraschendes:

Einerseits, dass es in Frankreich kunterbunte Übungshefte für Freimaurer gibt, die von einem der Charlie-Hebdo-Karikaturisten humoristisch illustriert wurden – und andererseits: Eine Menge Namen (angeblicher) prominenter Freimaurer:

»Bob Geldof, Sting, Peter Gabriel, Phil Collins, Roger Waters, Van Morrison … die Liste ist lang«

– schreiben die Kollegen der SN.

Liebe Kollegen: Nicht, dass ich den ein oder anderen der von Euch genannten Künstler nicht auch gerne in meiner Freimaurer-Liste führen würde, aber mir ist leider keiner dieser »Promis« als Logenbruder bekannt (höchstens mancher als »Bruder im Geiste«, dessen Musik ab und zu auch im Rahmen unserer zeremoniellen Veranstaltungen zu hören ist) – wisst Ihr vielleicht was, was ich nicht weiß? Dann bitte her damit! Denn selbst eine flotte Online-Recherche fördert bei mir auf die Schnelle erstmal nur Murks zutage.

Ja, Peter Gabriel hat offenbar mal in einem Interview erzählt, dass das Haus, in dem er lebt und arbeitet, früher mal ein Logenhaus war. Und: Ja, auch Phil Collins wird auf einigen Seiten als Londoner Freimaurer gelistet. Aber das heißt alles gar nichts. Auf Phil Collins bin ich sogar selbst mal »reingefallen«, weshalb ich mich bei ihm »entschuldigen« musste und ihn auf meiner Seite bekannter Freimaurer nun demonstrativ als »No-Bro.« führe.

Vorsicht also mit Listen prominenter Freimaurer. Als Faustregel hat sich bewährt: Wenn keine Loge oder andere freimaurerischen Daten des angeblichen Freimaurers zu ermitteln sind, sind Zweifel angebracht. Ich musste deshalb auch schon bei der Gestaltung meiner Freimaurer-Stadtführung durch Hamburg schweren Herzens auf den ein oder anderen »Bekannten« verzichten. Aber weniger ist ja bekanntlich manchmal mehr.

Hier geht’s zum Artikel der Salzburger Nachrichten und hier zur neuen Website www.freimaurerei.at.

28. Juli 2016 von Philip Militz
Kategorien: Forschung, Geschichte, Freimaurer 2.0, Freimaurer-Kuriositäten, Kritisches und Kritik, Presse, Medien | Schlagwörter: , , , , , , , | 6 Kommentare

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