»Digitale Botschafter«: Neue Pflichten für Freimaurer, Facebook & Co.?

UGLE Social Media Policy

Hate Speech, Mobbing und mehr. Während das Netz zum Schaukampfplatz verkommt, fragt sich die Vereinigte Großloge von England, was wohl ein freimaurerischer Umgang mit sozialen Medien sein könnte. Die ›Mutter aller Großlogen‹ hat dazu jetzt eine Erklärung veröffentlicht. Das meldet der US-Freimaurer Chris Hodapp (u. a. Autor von »Freemasons for dummies«) in seinem Blog.

Die sog. »Social Media Policy« der »United Grand Lodge of England« (UGLE) enthält zwar viele Ratschläge, die selbstverständlich sein sollten. Aber wenn’s denn so wäre, gäb’s jetzt wohl keine solche Erklärung. ;) Daher hier für alle ein grober Überblick dieser, na nennen wir’s mal in Anlehnung an die »Alten Pflichten« (»Old Charges«) »New Charges« bzw. »Masonic Netiquette«:

Social Media Policy

Die Einleitung macht zunächst die Bedeutung sozialer Netzwerke deutlich. So groß die Chancen (auch für die Freimaurerei) seien, so vorsichtig solle man als Freimaurer im Umgang mit sozialen Medien sein. Speziell Freimaurer, die auch als solche in der Öffentlichkeit stünden, seien zwangsläufig auch immer eine Art »digitale Botschafter der Freimaurerei«. Und deshalb sollten sie sich ihrer besonderen Verantwortung stets bewusst sein – selbst dann, wenn sie nur vermeintlich Privates posten würden. Immerhin könnten Zitate leicht aus dem Zusammenhang gerissen und womöglich von anderen als repräsentative freimaurerische Ansicht dargestellt werden.

Es folgt eine Liste der freimaurerischen ›Dos and Don’ts‹ (z. B. nichts Illegales zu verlinken, nichts zu posten, was andere diffamieren könnte, auch heute noch keine der traditionell geheim gehaltenen »Zeichen, Griffe und Worte« öffentlich zu diskutieren, niemals andere ohne deren Einwilligung als Freimaurer zu outen usw.).

So weit, so gut.

»Digitale Botschafter«

Besonders interessant finde ich aber, dass die UGLE – trotz aller aufgezeigten Risiken – es sogar als eine Art »freimaurerische Pflicht« bezeichnet, sich online als »digitaler Botschafter der Freimaurerei« zu engagieren.

Eine durchaus progressive Sicht. Sie geht mir aber eigentlich noch nicht weit genug. Ich würde mir von der Social Media Policy sogar etwas mehr wünschen, nämlich:

Dass Freimaurer ermuntert werden, sich nicht nur als digitale Botschafter der Freimaurerei zu begreifen, sondern sich generell im Netz als ›digitale Diplomaten‹ einzubringen. Vermittelnd, mäßigend, moderierend. So, wie wir es ja eigentlich im Miteinander verschiedenster Menschen in unseren Logen einüben. Diplomaten kann es im Moment einfach nicht genug geben. Und zwar nicht nur in der virtuellen Welt.

Hier geht’s zum Original-Artikel von Chris Hodapp inkl. UGLE-Schreiben.

 

20. September 2016 von Philip Militz
Kategorien: Freimaurer 2.0, Kritisches und Kritik | Schlagwörter: , , , , | Schreibe einen Kommentar

Aufklärung eines (freimaurerischen?) Familiengeheimnisses – Hilfe erwünscht!

Hans-Uwe Köhler (c) PR

Vor kurzem schrieb mich der Management-Trainer und Autor Hans-Uwe Köhler (Foto) an – für sein neues Buch hatte er Fragen zur Freimaurerei, speziell zum »Gradsystem« Lehrling, Geselle, Meister. Und nachdem ich geantwortet hatte, interessierte mich natürlich, wie er überhaupt auf das Thema gekommen war. Seine Antwort (er ist mit der Veröffentlichung einverstanden):

»Während meiner Kindheit erzählte mir mein Vater von den Freimaurern. Er war wohl selber keiner, vielleicht sein Vater. Es gibt allerdings eine ganz seltsame Geschichte: kurz bevor mein Vater starb, tauchte ein Mann bei meiner Mutter auf und sagte: Ich bin gekommen, ihren Mann zu pflegen. Kein Name, kein Geld und kein Bezug. Als mein Vater dann ins Krankenhaus musste, verschwand dieser Mann aus unserem Leben… Ich habe neulich vor einer Loge gesprochen, auf Bitten eines ehemaligen Kunden. Fragen Sie mich nicht, warum… Ich habe dann wg. der Geschichte meines Vaters Kontakt mit der [örtlichen] Loge aufgenommen, aber die wussten von nichts.«

Seltsam.

Ja, Freimaurer sollten zwar dem Anspruch nach in guten wie in schlechten Zeiten füreinander da sein. Aber trotzdem habe auch ich so etwas im freimaurerischen Zusammenhang noch nicht gehört.

Selbst, wenn ich wild spekulieren würde, fiele mir eigentlich keine vernünftige Erklärung ein. Außer vielleicht, dass sich der Unbekannte nicht als Freimaurer outen wollte – und womöglich auch nicht den Vater gegenüber seiner Familie. Es gibt jedenfalls Gerüchte, dass in früheren Zeiten teilweise (angeblich) nicht mal alle Ehefrauen von der Logenmitgliedschaft ihrer Männer gewusst haben sollen. Ob’s stimmt oder nicht, kann ich leider auch nicht sagen. Aber vorstellbar wäre es. Die Brüder der Kriegsgenerationen waren wesentlich vorsichtiger, als es die Brüder heute sind und Ehefrauen früherer Generationen sollen ja auch nicht so emanzipiert gewesen sein, wie’s die heutigen sind.

Restlos aufklären lassen wird sich die Sache wohl nicht mehr. Aber vielleicht können wir uns zumindest gemeinsam der Wahrheit nähern:

Habt Ihr schon mal von ähnlichen Geschichten im Zusammenhang mit der Freimaurerei gehört oder eine Erklärung parat? Antworten z. B. hier per Kommentar (Nachtrag: Da hat sich schon Interessantes gesammelt!) oder hier auf meiner Facebookseite. Auf Wunsch stelle ich auch gerne den direkten Kontakt zu Herrn Köhler her.

14. September 2016 von Philip Militz
Kategorien: Freimaurer allgemein, Geschichten | 6 Kommentare

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