Freimaurer-Rituale

Freimaurer Rituale, Wirkung, Symbolik und das große »Geheimnis« endlich schnell und verständlich erklärt:

Was die Freimaurerei im Kern von anderen, vielleicht einigermaßen vergleichbaren Organisationen unterscheidet, sind die geheimnisumwitterten Rituale – gewissermaßen unser Jahrhunderte altes Brauchtum, das wir vermutlich von den Steinmetzbruderschaften des Mittelalters übernommen haben; genaueres lässt sich leider nicht mehr zweifelsfrei feststellen, weshalb es natürlich umso unterhaltsamere Spekulationen gibt.

Freimaurer-Rituale – das ›große‹ Geheimnis

Nun sind ja Rituale an sich nichts Besonderes. Jede Gemeinschaft hat ihre Rituale. Das Besondere der Freimaurer Rituale ist aber, dass über Jahrhunderte hinweg ein großes Geheimnis aus ihnen gemacht wurde.

Noch heute geloben Brüder mit dem Eintritt in eine Loge traditionell Verschwiegenheit gegenüber Außenstehenden, was den genauen Wortlaut des Rituals angeht. Was es mit diesem Verschwiegenheitsgelübde auf sich hat und warum die Brüder noch heute daran festhalten, erkläre ich ausführlicher in meinem Buch »Freimaurer in 60 Minuten«.

Kurz zusammengefasst kann man sagen: Die Texte sind Jahrhunderte alt, einige Begriffe heute ohne weiteres Wissen um deren Entstehung und ursprüngliche Bedeutung missverständlich und daher erklärungsbedürftig. Zudem geht jedem Grad ein besonderes Aufnahmeritual voraus, was mit kleineren Überraschungseffekten arbeitet, die natürlich möglichst auch überraschend bleiben sollen. ;)

Fakt ist aber: Auch wenn die Freimaurer Rituale immer noch geheim gehalten werden, sind sie es längst nicht mehr. Man findet sie u. a. in jeder guten Unibibliothek – allerdings neben einigem Abstrusem – Phantasieritualen, die meist von Gegnern erfunden wurden, um die Freimaurerei zu verleumden.

Da auch ich die traditionelle Verschwiegenheit über die genauen Abläufe und Wortlaute der alten Rituale gelobt habe, möchte ich hier nur ein wenig auf die Wirkung und Struktur eingehen:

Freimaurer-Rituale – zeitgenössischer Vergleich: Abendländisches Yoga

Vereinfacht handelt es sich bei unseren Ritualen um Wechselgespräche in feierlicher und entschleunigter Atmosphäre. Ich spreche gerne stark überspitzt von »einer Art abendländischem Yoga«, weil auch beim freimaurerischen Ritual Phasen der Anspannung mit Phasen der Entspannung wechseln, um dadurch einen konzentrierten Zustand zu erreichen. Sportler kennen diesen Prozess und Effekt, in dem sie bspw. durchs Joggen den Kopf frei bekommen und sie sich danach entspannt aber zugleich fokussiert fühlen.

Dem freimaurerischen Ritual liegt ein ähnliches Prinzip und ein ähnliches Ziel zu Grunde: Durch das Fokussieren auf alt-überlieferte ruhige Bewegungsabläufe (nein, kein Bodenturnen a la Yoga, sondern simple Gesten), Worte und Handlungen, soll es uns gelingen, die Hektik des Alltags hinter uns zu lassen, runterzukommen.

Struktur der Freimaurer Rituale

Details der Rituale unterscheiden sich manchmal, aber die Grundstruktur des feierlichen und meditativen Ablaufs ist in allen freimaurerischen Lehrarten die gleiche (und im Grunde ähnlich auch bei Ritualen anderer Gemeinschaften üblich):

1. Vorbereitung

Der Zeremonienmeister bittet die üblicherweise in einem Vorraum versammelten und feierlich gekleideten Brüder die Alltagsgespräche einzustellen und sich schweigend auf die folgende Zeremonie vorzubereiten. Nach einer kurzen Phase der geistigen Sammlung und Besinnung betreten die Brüder dann schweigend den Versammlungsraum und nehmen ihre Plätze ein.

Freimaurer Rituale – Versammlungsraum mit Säulen, Arbeitsteppich und Meisterpult, Freimaurer-Museum Schloss Rosenau, Österreich – Foto (cc) by Wolfgang Sauber (2007, some rights reserved)

Freimaurerischer Versammlungsraum mit Säulen, Arbeitsteppich und Meisterpult, Freimaurer-Museum Schloss Rosenau, Österreich – Foto (cc) by Wolfgang Sauber (2007, some rights reserved)

Im Mittelpunkt des Raumes liegt der noch verdeckte sog. »Arbeitsteppich«. Um den Teppich herum stehen die drei »Säulen der Freimaurerei« (Weisheit, Stärke und Schönheit), darauf Kerzen, die allerdings noch nicht entzündet sind. Drumherum angeordnet sind die Plätze des Meisters, sowie der sog. beiden »Aufseher«, die im Laufe des Rituals Vernunft und Gewissen verkörpern sollen. Diese drei Brüder spielen im Ritual gewissermaßen die Hauptrolle – zwischen ihnen finden die wesentlichen Wechselgespräche statt. Die Plätze der anderen Brüder befinden sich an den Seitenwänden.

2. Öffnung der Loge

Es folgen nach alt-überliefertem Text und Ablauf Wechselgespräche, u. a. zwischen Meister und Aufsehern, während denen feierlich der Arbeitsteppich aufgedeckt wird und danach die Kerzen auf den Säulen entzündet werden.

Der Arbeitsteppich zeigt Symbole, die in dem jeweiligen Grad, nach dessen Ritual gearbeitet werden soll, im Mittelpunkt stehen – i. d. R. Handwerkssymbole, wie bspw. Winkel und Zirkel, deren tiefere freimaurerische Bedeutung ich auf der Freimaurer-Symbol-Seite etwas näher erläutere.

Die »Eröffnung« unserer zeremoniellen Versammlungen nennen wir übrigens auch »Öffnen der Loge«, was meint, dass wir selbst unser Herz für Emotionen und unseren Verstand für neue Impulse öffnen sollen.

3. Rede und Musik

Die geistigen und emotionalen Impulse werden uns dann ganz simpel durch das Kernstück jeder sog. »Arbeit« vermittelt: Durch eine Rede – ein Bruder spricht z. B. über Kunst, Kultur, Wissenschaft oder Philosophie und zeigt mögliche freimaurerische Bezüge und Anknüpfungspunkte auf – sowie durch Musik. Denn nach der geistigen Anregung durch die Rede folgt wieder eine Phase der Entspannung, ein Musikstück (oft Klassik oder Instrumentales ohne ablenkenden Gesang), dass die Gefühlsebene ansprechen und den Brüdern die Möglichkeit geben soll, die Impulse der Rede sacken zu lassen.

4. Schließung der Loge

Die anschließende »Schließung der Loge« – feierliche Wechselgespräche, ruhige Bewegungsabläufe und eine Sammlung für Bedürftige – soll uns dann wieder eine Brücke in den Alltag bauen. Und obwohl wir bei der Zusammenkunft gewissermaßen geistig »gearbeitet« haben, gehen die meisten Brüder mit dem Gefühl nach Hause, sich entspannt zu haben und inspiriert worden zu sein.

Mehr erfahren? Hier erkläre ich die → Freimaurer-Symbole.

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