Happy Birthday VGL? 

Nur durch Zufall ist uns aufgefallen, dass wir offenbar fast einen runden Geburtstag vergessen hätten: Die Vereinigten Großlogen von Deutschland (VGLvD) sind anscheinend gerade 60 Jahre alt geworden. Warum wir das so vorsichtig mit Fragezeichen, „offenbar“ und „anscheinend“ schreiben? Erklären wir gleich.

(c) Petra Bork / pixelio.de

(c) Petra Bork / pixelio.de

Erstmal gratulieren wir unter Vorbehalt mit dem Zitat eines Mannes, der als einer der „Architekten“ des Dachverbands der Deutschen Freimaurerei gilt und dessen erster Großmeister er war: Theodor Vogel (1901-1977). Er ist zwar seit mehr als 40 Jahren tot, aber trotzdem irgendwie immer noch hochaktuell:

„Was das Geschick den Menschen heute aufträgt, was das Schicksal von allen denen fordert, die in der Gegenwart vom Bauen wissen, das sind nicht mehr die hohen Dome, die erhabenen Tempel, sondern die Brücken. Brücken von der Vergangenheit in die Zukunft, vom Alten zum Neuen, vom Verwehenden zum Werdenden, Brücken von Ufer zu Ufer, zwischen den Ständen, den Bekenntnissen der Konfessionen, den Parteien, (…) Brücken, meine Brüder Bau­meister-Brücken!“

Genau als das, als Brücke, wurden diese Vereinigten Großlogen von Deutschland konstruiert. Um aus der Vergangenheit etwas zu lernen.

Verbunden hatte diese Brücke – laut Wikipedia „am 27. April 1958“ – zunächst die Große Landesloge der Freimaurer von Deutschland mit der Großloge AFAM. Erst 1970 kamen die „Große National-Mutterloge Zu den drei Weltkugeln“, die Provinziallgroßlogen der „Vereinigten Großloge von Deutschland Provinz Britischer Freimaurer“ und die „American Canadian Grand Lodge“ dazu.

Stutzig macht uns, dass scheinbar bislang keine der fünf Mitgliedsgroßlogen öffentlich gratuliert hat. Zumindest ist auf den Websites nichts zu finden. Haben wir uns im Datum geirrt bzw. steht im Wikipedia-Artikel was Falsches?

Falls nicht: Happy Birthday nachträglich, liebe VGL, vom ganzen Redaktionsteam. Wir trinken auf Dich und ein hoffentlich noch langes Leben!

Auf dass unsere Baumeister Deine Wartungsarbeiten nicht vergessen.

Brücken werden heute wieder dringend gebraucht.

02. Mai 2018 von redaktion
Kategorien: Forschung, Geschichte, Freimaurer 2.0, Kritisches und Kritik | Schlagwörter: , | Schreibe einen Kommentar

300 Jahre Freimaurerei – das Interessanteste, was ich zum Thema gelesen habe

Bildschirmfoto 2017-12-18 um 14.56.05

Was?!  Schon wieder Weihnachtszeit?! Höchste Zeit also zum Innehalten, Besinnen und Zurückblicken:

Das Jahr, in dem weltweit das (vermeintlich) 300-jährige Jubiläum der Freimaurerei groß gefeiert wurde, geht zu Ende. Viel wurde zum Thema gesendet, geschrieben, kommentiert und gefragt. Ich habe den Eindruck, dass durch die umfangreiche Berichterstattung die Zahl der Interessenten gestiegen ist.

Was mich am meisten begeistert hat, war ein Interview auf kurier.at mit dem österreichischen Großmeister Georg Semler. Genau genommen gar nicht so sehr das Interview, sondern eher die herrlich spitze Eröffnungsfrage samt ungewöhnlicher Antwort:

»Herr Dr. Semler, wozu braucht man im 21. Jahrhundert eine 300 Jahre alte Bruderschaft?«

Klingt im ersten Moment für Freimaurer-Ohren vielleicht etwas provokativ. Aber wenn man genau drüber nachdenkt, ist die Frage durchaus berechtigt: Selbsterkenntnis ist das zentrale Motiv des ersten Grades, Grundstein des freimaurerischen Wegs. Dazu zählt dann eben auch, dass man nicht nur sich selbst hinterfragt, sondern auch – man verzeihe mir hier bitte die saloppe Ausdrucksweise – den »Verein«, dem man angehört.

Um’s gleich vorweg zu nehmen: Auch der österreichische Großmeister hatte keine direkte, sondern nur eine indirekte Antwort parat:

»Man könnte die Frage umdrehen: Was macht die Bruderschaft aus, dass sie 300 Jahre Bestand haben konnte?«

Und weiter:

»Was hat sich seit damals an politischen, gesellschaftlichen, globalen Veränderungen nicht alles getan! All diese Kriege, zerfallende Monarchien, Erste und Zweite Republik – das hätten die Freimaurer nicht überleben können, wenn wir parteipolitisch engagiert gewesen wären. Es geht nicht darum, in der Gesellschaft als Partei, NGO oder sonst irgendwas zu wirken. Wenn wir je diesen Fehler gemacht hätte, wären wir nicht so alt geworden. Die Freimaurerei richtet sich an den Einzelnen, der durch die Hilfe seiner Brüder, durch Diskussionen, durch das Ritual, das ihn emotional erfasst, dazu gebracht wird, über sich selbst nachzudenken. Mit dem Ziel, sein Denken ein Stück weit zu veredeln. Das wirkt sehr gut und indirekt auch auf die Gesellschaft. Freimaurer sind dogmenfrei, stellen alles zur Diskussion. Ich kann mich mit jenen austauschen, die wissen, dass sie nicht die ganze Wahrheit haben, so wie ich weiß, dass ich nicht die ganze Wahrheit habe. Ein heute unpopulärer Ansatz! (…) einfache Antworten auf komplexe Fragen gibt es nicht. Dinge infrage stellen oder gegen den Strich bürsten – es wird genau das sein, was wir in Zukunft brauchen.«

Das war wirklich das Interessanteste, was ich in diesem Jahr zum 300-jährigen Jubiläum der Freimaurerei gelesen habe. Frage und Gegenfrage beschäftigen mich bis heute:

Wozu braucht man im 21. Jahrhundert noch eine 300 Jahre alte Bruderschaft? Und was macht diese Bruderschaft aus, dass sie nach 300 Jahren – trotz all der Veränderungen in der Welt – immer noch Bestand hat?

Die Antwort des österreichischen Großmeisters kenne ich jetzt.

Was wäre Eure gewesen?

Und was war das Interessanteste, was Ihr in diesem Jahr zum großen Jubiläum gelesen, gehört oder gesehen habt?

Ich bin gespannt auf Eure Antworten (hier im Kommentarbereich oder auf meiner Facebook-Seite) – und wünsche Euch besinnliche Feiertage und einen guten Rutsch. :)

18. Dezember 2017 von freimaurer.online
Kategorien: Forschung, Geschichte, Kritisches und Kritik, Maurerwort-Kolumne, Presse, Medien | Schlagwörter: , , , , , , | 5 Kommentare

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