Bekannte Freimaurer: Warum ich ein chronischer Namedropper bin

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Bitte jetzt ganz stark sein: Ich muss heute ein kleines freimaurerisches Sakrileg begehen und ausnahmsweise Bruder Goethe, unserem »Säulenheiligen« der Freimaurerei widersprechen.

Im Internet erfreuen sich Listen mit Namen bekannter Freimaurer großer Beliebtheit. Sogar auf Großlogen- und Logenseiten. Dass man solchen Listen immer mit einer Portion Skepsis begegnen sollte, habe ich bereits an anderer Stelle geschrieben. Heute geht es mir um die Kritiker solcher Listen, die mit Goethes »Faust« argumentieren:

Namen sind nur Schall und Rauch!

Ich kann gut verstehen, dass auch einige Freimaurer mit sog. Namedropping Bauchschmerzen haben. Namedropping kann schnell indiskret und wichtigtuerisch wirken.

Trotzdem gehöre auch ich zur Fraktion chronischer Namedropper. Ich bin zwar wahrscheinlich noch vergleichsweise zurückhaltend, führe aber auch in meinem Blog eine dieser nicht unumstrittenen Listen. Bewusst.

Weil Namen eben nicht nur Schall und Rauch sind!

Einer der bekanntesten freimaurerischen Insider-Witze lautet: Fragst Du zwei Freimaurer, was Freimaurerei ist, kriegst Du mindestens drei Antworten. Freimaurerei ist vielfältig, manchmal widersprüchlich, komplex zu erklären.

Ich kann mich aber auch kürzer fassen und meine Erklärungen mit ein paar bekannten Freimaurer-Namen »würzen«, denn:

Namen sind Marken!

Ihr kennt sicherlich alle den Satz »ein Bild sagt manchmal mehr als tausend Worte«. Würde vermutlich jeder unterschreiben. Genau deshalb wird im freimaurerischen Ritual mit Symbolen gearbeitet.

Wie mit Bildern und Symbolen verhält es sich mit Namen:

Auch ein Name sagt manchmal mehr als tausend Worte.

Bekannte Namen funktionieren wie Marken, wie Symbole (»Nomen est Omen« – frei übersetzt: Name ist Programm). Namen lösen Emotionen aus, können wie ein Gütesiegel wirken, stehen für eine Summe an Dingen, die ich dann einzeln nicht mehr groß erklären muss. Natürlich vorausgesetzt, dass der Name dem Gegenüber auch etwas sagt.

Deswegen bin also auch ich ein chronischer Namedropper.

Aber natürlich gelten auch beim Namedropping die freimaurerischen Meistertugenden der Verschwiegenheit (keinen lebenden Bruder als Freimaurer »outen«, so er’s nicht schon selbst getan hat bzw. er als solcher bereits bekannt ist) und die Meistertugend der Mäßigkeit (weniger ist oft mehr).

Und vor allem gilt am Ende das, was Rolf Appel, einer der engagiertesten Freimaurer unserer Zeit, mal in einem Interview gesagt hat:

Goethe war Freimaurer,
Herder war Freimaurer,
Lessing war Freimaurer,
Carl von Ossietzky war Freimaurer… –
und DU?
Was HIER und HEUTE geschieht,
DAS ist das Entscheidende!

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Und wie haltet Ihr‘s mit dem Namedropping? Anregungen gerne hier als Kommentar oder auf meiner Facebookseite.


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01. Oktober 2017 von Philip Militz
Kategorien: Kritisches und Kritik, Maurerwort-Kolumne | 6 Kommentare
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Kommentare (6)

  1. Lieber Philipp,
    bitte erklären Sie dem interessierten, aber des Mode-Deutschen leider nicht so mächtigen Laien den Begriff „Namedropper“. Vielen Dank!

    • Lieber Michael, Namedropping meint (in diesem Zusammenhang): Das Nennen (Fallenlassen/Dropping) von (bekannten Mitglieds-)Namen im Zusammenhang mit der Freimaurerei. Und entsprechend ein „Namedropper“: Jemand, der Namedropping betreibt.

  2. Leider führt das Link auf die nicht unumstrittenen Listen ins Nirwana. Es würde mich aber interessieren.

  3. Moin Phil, schöne Anregung zum Nachdenken:) Wenn man so „nebenbei“ einen Namen „fallen lässt“, muss man ggf. darauf vorbereitet sein, Fragen zu beantworten… „Wer war dieser Mann, was hat er bedeutendes für die Freimaurerei vorzuweisen u.s.w.“ Kann man da nun nichts oder nur unvollkommenes antworten, ist man eher kontraproduktiv…:)

  4. Schall und Rauch sind ja durchaus liebenswerte Dinge im Ritual der Freimaurer. Ich würde gerne mal eine Liste aufstellen von Brüdern, für die wir uns schämen, und denen, die so vollkommen waren, dass wir sie auch künftig uneingeschränkt erwähnen dürften…. JA, wichtiger tatsächlich: was ist heute, warum ist es wichtig, heute noch zu ringen um Toleranz und Menschlichkeit, um Gleichheit (in den Lebensverhältnissen, in den Wertvorstellungen…)? Wenn wir auf 300 Jahre „stolz“ sein wollen, können wir das. Es ist die Kunst, den Geist unserer Vorväter zu übersetzen in eine Sprache, die die Menschen heute verstehen und nicht ob des Staubes Abstand nehmen. Wir können uns wieder anfangen, in unsere Höhlen und Tempel zurückzuziehen und die „Zauberflöte“ vorwärts und rückwärts anhören und ihren maurerischen Geist aufsaugen, uns daran ergötzen. Wir sollten besser, keine Götzendienste leisten. Wer von uns kommt in 100 Jahren in diese Listen „berühmter Freimaurer“???

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