Entzugserscheinungen? Risiken und Nebenwirkungen der Rituale und Logenferien

Freimaurer Geheimbund, Symbole
Freimaurerei ist nichts Abgehobenes, nichts Weltfremdes. Einer der ersten Logen-Leitsätze, den ich vor rund 15 Jahren aufgeschnappt habe, war:

Erst Familie und Freunde, dann kommt der Beruf und danach die Loge.

Das hat mir die Freimaurerei direkt sehr sympathisch gemacht. Ich kenne nämlich durchaus auch »Vereine«, die sehr »vereinnahmend« sein können und sich für den Nabel der Welt und ihrer Mitglieder halten.

Dass es der Freimaurerei mit dieser lockeren Sicht ernst ist, daran erinnern mich jedes Jahr wieder die sog. Logenferien:

Während der großen Schulferien finden traditionell keine regulären Logenveranstaltungen statt. Genau genommen dauert der Logenferien-Zeitraum meist sogar etwas länger als die Schulferien: I. d. R. zwei Monate.

In diesem Jahr ist mir auch wieder aufgefallen, wie diese vorübergehende freimaurerische »Ritual-Abstinenz« die Vorfreude erhöhen kann:

Während unseres sagenumwobenen freimaurerischen Rituals werden ja nach altüberliefertem Ablauf Kerzen entzündet und später wieder feierlich gelöscht. Dabei entsteht offenbar ein besonderer Geruch, den ich eigentlich nie richtig bemerkt habe.

Aber als meine Frau kürzlich eine Kerze ausgepustet hat, habe ich plötzlich etwas festgestellt: Wie stark bei mir dieser spezielle Geruch einer verlöschenden Kerze inzwischen mit einem guten Gefühl und (auch) mit der Freimaurerei verknüpft ist.

Ein Gefühl der Ruhe hat sich sofort in mir ausgebreitet, ich habe kurz innegehalten, die Augen geschlossen, »geschnuppert«, mich u. a. an das freimaurerische Ritual erinnert. Und damit ist mir gleich noch etwas aufgefallen, was ich vorher so noch nie bemerkt hatte:

Über die Logenferien habe ich anscheinend leichte »Entzugserscheinungen« entwickelt – die allerdings heute Abend ein Ende finden werden. ;)

Es geht wieder los!

Ich wünsche Euch einen guten Start ins zweite Logenhalbjahr 2017!

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Habt Ihr ähnliche Erfahrungen gemacht? Kennt auch Ihr Gerüche, Geräusche oder Gesten, die mit guten Erinnerungen und Emotionen verknüpft sind? Ich freue mich über Eure Beiträge – hier als Kommentar oder auf meiner Facebook-Seite.


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29. August 2017 von Philip Militz
Kategorien: Freimaurerei to go, Maurerwort-Kolumne, Rituale, Grade, Symbole | Schlagwörter: , , | 5 Kommentare
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Kommentare (5)

  1. Bei mir waren Gefühle und Erinnerungen ganz stark mit Musik verknüpft. Zum Beispiel die Arie des Papageno aus der Zauberflöte mit meiner frühen Schulzeit, als das die Titelmelodie des Schulfunks im Radio war. Viele Titel von Beatles, Rolling Stones, Beach Boys und anderen holten Erinnerungen und auch Gefühle meiner Jugend wieder hervor. Es waren nicht nur positve Erinnerungen und erat nachdem die Oldies immer häufiger im Radio gespielt wurden, da versetzte mich die Musik nicht mehr in die 60er zurück.

  2. Das mit dem Kerzengeruch ist mir erst mit Deinem Beitrag so richtig bewusst geworden ! Mit brüderlichen Gruß

  3. Wir in Mülheim konnten diese Entzugserscheinungen übrigens nicht mehr ertragen und haben deshalb die „Mülheimer Sommerloge“ ins Leben gerufen, die wir in diesem Jahr zum bereits dritten mal haben stattfinden lassen – und die Resonanz ist immer durchweg positiv. Auch im nächsten jahr wird es eine Sommerloge bei uns geben und alle Brüder sind herzlich willkommen.

  4. Mir geht es ähnlich, Phil. Ich freu mich sehr, dass wir bald wieder starten. Obwohl ich die Sommerpause natürlich auch zu genießen weiß. Was mich in letzter Zeit nachdenklich macht, ist der Stellenwert der Freimaurerei bei einigen Suchenden und auch Freimaurerinnen. Es ist gut und richtig, dass Familie und Beruf und Freundeskreis natürlich vorgehen – und dass Freimaurerei für die einzelne nicht „vereinnahmend“ wird. Problematisch wird es allerdings, wenn Freimaurerei das letzte von zehn Hobbies und -zig anderen Zusatzambitionen wird. Ich beobachte (an vielen Orten, nicht nur in der Freimaurerei), dass sich immer mehr Menschen in unserer schnelllebigen Zeit total verzetteln und dann überall und nirgends sind – als flüchtiger Schatten ihrer selbst oder als erschöpfte, passive KonsumentInnen, die sich nicht wirklich einbringen, aber hohe Erwartungen -meist an andere- haben. Das ist nicht nur für die Freimaurerei schwierig – sondern fürs gesamte Gemeinwesen. Kurzfrist-Projekte mögen im heutigen „Sofortismus“ und Hin- und Herspringen zwischen verschiedenen attraktiven und begeisternden Angeboten noch gelingen, für eine kontinuierliche, langfristige und qualitativ hochwertige Arbeit wird das allerdings eher schwierig. Mein Lieblingssymbol ist der 24-zöllige Maßstab, der mich daran erinnert, meine Aktivitäten in ein angemessenes Verhältnis zu setzen und sowohl an meine Bedürfnisse als auch an die Bedürfnisse der Gruppe anzupassen, ohne dabei die Balance und Ausdauer zu verlieren. Maß-Halten eben. Freimaurerei ist kein Sofortismus, sondern wirkt nur langfristig – und auch nur dann, wenn der oder die einzelne kontinuierlich und verlässlich aktiv ist.

  5. Lieber Philip, wir Brüder in Lüdenscheid „arbeiten durch“….
    Du bist herzlich eingeladen!

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