Frei-Maurer-Frage: Was machen wir hier eigentlich?

Bruchsteinmauer

Kommt ein Mann auf eine Baustelle, schaut den Bauarbeitern eine Weile bei der Arbeit zu und tippt dann dem ersten auf die Schulter: »Was machst Du da eigentlich?« Der Maurer dreht sich genervt um: »Na, was wohl? Ich lege Steine!« Der Mann tippt dem zweiten auf die Schulter: »Sag‘ mal, was machst Du da eigentlich?« Der zweite Maurer dreht sich um, wischt sich den Schweiß von der Stirn: »Na, ich verdien’ hier meine Brötchen!« Der Mann tippt dem Dritten auf die Schulter: »Was machst Du da eigentlich?« Der Maurer hält einen kurzen Moment inne, dreht sich um… und antwortet mit einem strahlenden Lächeln: »Ich? Ich baue eine Kathedrale!«

Ich habe mit dieser alten Weisheits-Geschichte das Vorwort meines kommenden Buches begonnen – und hatte sie vor einiger Zeit auch in der »Zirkelkorrespondenz« gelesen. Der Autor des ZK-Textes stellte die Frage, wer von den drei Bauarbeitern abends nach getaner Arbeit wohl am glücklichsten die Füße hochlegt, wer am wenigsten »gestresst« ist.

Eigentlich eine rhetorische Frage, aber dennoch eine gute: Sie erinnert einen daran, wie wichtig es sein kann, das größere Ziel der (manchmal anstrengenden oder sogar nervigen) Arbeit nicht aus dem Blick zu verlieren, das eigene Tun möglichst in einem größeren Zusammenhang zu sehen und nicht zu vergessen, worum es bei der Arbeit eigentlich geht.

Seitdem ich diese Geschichte kenne und Logen-Mitglied bin, geht mir eine Sache nicht aus dem Kopf:

Was wäre, wenn die Geschichte etwas anders gehen würde? Wenn der Mann aus der Geschichte ein Gast wäre, der in eine Loge kommt, uns eine zeitlang beim »Frei-Maurern« zuschauen und dann fragen würde »Was macht Ihr da eigentlich?«

Was wäre Eure Antwort?


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08. Mai 2015 von freimaurer.online
Kategorien: Freimaurer 2.0, Geschichten | Schlagwörter: | 7 Kommentare
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Kommentare (7)

  1. Pingback: Frei-Maurer-Frage: Was machen wir hier eigentlich? | Masoneria357

  2. … eine gute Zeit haben, wachsen, liebgewordene Freunde regelmäßig wiedersehen, persönliches Wachstum erfahren, den Sinn für das Schöne in der Welt bewahren…

  3. Lieber Philip,
    vielen Dank für den Anreiz, damit wäre das Thema meiner nächsten Zeichnung in trockenen Tüchern!

  4. Lieber Phil,
    „er/sie“ hat es gemacht; du hast mich „lachen“ gemacht; nun „mach“ schon!
    – – – ( http://www.duden.de/rechtschreibung/machen )
    D*A*N*K*E*****

  5. Lieber Herr Militz,

    vielen, vielen Dank für diesen Beitrag!
    Noch vor einer Stunde habe ich frustriert vor dem Bildschirm gesessen und mich gefragt: „Was mache ich hier eigentlich? Warum tue ich mir das an?“
    Dann habe ich Ihren Beitrag gelesen. Das hat mir die Antwort gegeben: „Darum! Weil ich nicht den schnellen Erfolg will, sondern den nachhaltigen; jenen, der sich nicht in Zahlen messen lässt (schon gar nicht in Euro), sondern in positiven Veränderungen.“
    Danke, dass Sie mir das wieder ins Gedächtnis gerufen haben!

    Beste Grüße aus dem Norden.

  6. Meine Antwort wäre vielleicht:

    Ich übe das Ich-Sein.
    Wie ein Sportler seinen Körper trainiert oder ein Student seinen Verstand schult,übe ich hier der Mensch zu sein der ich wirklich sein möchte.
    Der Sportler benutzt einen Trainingsplan,der Student einen Lehrplan und wir bearbeiten Rituale die mir helfen mich zu erkennen und mir Impulse geben meine Persönlichkeit zu trainieren.

    Das alles tun wir in der Geborgenheit,Vertrautheit aber auch der Verantwortung gegenüber der Bruderschaft.

    Wenn Sie wissen möchten was der Bruder neben mir hier tut,müssten Sie ihn fragen.

  7. Auch mich spricht Dein Beitrag bei jedem Lesen auf’s Neue an.

    Ich twitterte Dir ja bereits, dass die Frage „Was mache ich hier eigentlich?“ für mich die Frage aller Fragen eines Freimaurers ist.

    Das erste Mal stellt er sich sie ganz bewusst, wenn er Suchender ist und sich überlegt, in diesen Bund aufgenommen zu werden.

    Und danach ist es an ihm, sich diese Frage regelmäßig wieder ins Gedächtnis zu rufen. Denn ich glaube, man läuft Gefahr, diese Frage im (freimaurerischen) Alltag aus den Augen zu verlieren.

    Auf jeden Fall bewege ich seit Deinem Beitrag diese Frage wieder vermehrt in mir. „Was mache ich hier eigentlich?“. Gerade jetzt, vor meinem nächsten freimaurerischen Schritt, ist diese Frage wieder umso wichtiger für mich.

    Danke Dir dafür!

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