FrauMaurer: Warum wir keine Männer aufnehmen…

Freimaurerinnen und Freimaurer

Warum nehmt ihr eigentlich keine Frauen auf? Das ist meiner Erfahrung nach eine der meist gestellten Fragen bei öffentlichen Veranstaltungen von Männer-Logen – und die Antworten darauf werden oft auch am häufigsten hinterfragt und am kontroversesten diskutiert. Ich habe mich gefragt: Wie ist das eigentlich im umgekehrten Fall bei den Frauen-Logen? Und habe Antje Hansen gebeten, einen entsprechenden Gastbeitrag zu schreiben. Antje (Jahrgang ’69, verheiratet, ein Sohn) ist seit 1998 Freimaurerin, derzeit Logenmeisterin der Loge Constantia in Düsseldorf und Initiatorin des lesenswerten Blogs FrauMaurer. Hier ihre Antwort (danke, Antje!):

Warum wir keine Männer aufnehmen?

Weil wir eine Frauenfußballmannschaft sind, möchte ich antworten, denn im Sportverein fragt das in der Regel niemand. Auch bei öffentlichen Abenden in meiner Frauenloge ist diese Frage kein Thema. Es erkundigt sich niemand danach. Warum auch? Gibt es doch Logen für Männer, für Frauen und Logen, in denen Männer und Frauen gemeinsam arbeiten. Jeder Mensch kann die für sich passende Umgebung wählen. Das ist das Großartige unserer Zeit. Jede Schwester wird ihre Gründe gehabt haben, sich einer Freimaurerinnenloge anzuschließen. Für mich sind es drei:

In meinem beruflichen Umfeld habe ich zu 80 Prozent mit Männern zu tun und genieße in der Loge das Zusammensein mit Frauen und den hier möglichen Austausch. Die Loge ist eine Werkstatt und ein Übungsfeld für mein Leben und Übung macht die Meisterin. Und wie übt es sich am leichtesten? Mit reduzierter Komplexität. Wer Rechnen lernt, beginnt ja auch mit kleinen Zahlen und einfachen Operatoren. Auch in der Loge funktioniert das Prinzip: wir sind alle Frauen und einander Schwestern. Nicht weniger, aber auch nicht unbedingt mehr. In unserem Leben jonglieren wir dagegen viele Rollen zugleich: Frau, Mutter, Tochter, Ehefrau, Partnerin, Nachbarin, Kollegin, Mitarbeiterin, Chefin, Schwester, Freundin… Jede Rolle hat ihre Besonderheiten und Stolperfallen. In der Loge dürfen wir uns auf den Kern unseres Seins konzentrieren und die zusätzliche Komplexität der Welt für eine Weile ausblenden. Was für eine Wohltat! Nicht zuletzt ist mir persönlich die bewusste Verschwesterung von Frauen als emanzipatorischer und politischer Akt wesentlich.

Für die Zukunft stellt sich mir viel weniger die Frage, WIE die Logen zusammengesetzt sind als die, WIE es uns gelingt, jungen Erwachsenen heute die Relevanz von Freimaurerei auch im 21. Jahrhundert zu vermitteln. Darauf müssen wir in unseren verschiedenen Bauhütten Antworten finden.


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12. November 2014 von freimaurer.online
Kategorien: Freimaurer 2.0, Kritisches und Kritik | Schlagwörter: , , , | 3 Kommentare
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Kommentare (3)

  1. Eine ähnliche Antwort gab ich eines Tages einer Frau und stiess auf Unverständnis. Mein eigenes Verständnis als Freimaurer verbietet es mir, kein Verständnis für Schwester Antje zu haben. Die Dame, die das nicht hatte hiess übrigens auch Antje. Aber das ist wohl Zufall….

  2. Ich würde mir heutzutage diese Arbeit gar nicht mehr machen, Phil. Beim Sport ist es selbstverständlich, dass es Frauenmannschaften gibt und Herrenmannschaften. Man ist doch deswegen nicht weniger emanzipiert.

    Es wird immer einen Rest Leute geben, die Fragen, warum man denn zum Mond nur Astronauten mitnimmt und keine, sagen wir, Jogger. Und warum nur Bäcker Brötchen verkaufen dürfen und Schuster nicht. Und entsprechend, warum Herrenmannschaften nur Herren aufnehmen, und Frauenlogen nur Frauen. Keine Frage ist dumm genug. Na und? Wir werden das nicht ändern.

    Davon aber mal abgesehen, ein schöner Artikel. Wieder mal! :)

  3. Der Steinmetz müht sich, seine Zacken
    am rauhen Steine abzuhacken;
    doch seine Frau sollt‘ ihre Zicken
    mit bunten Blümchen übersticken

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