Krieg und Frieden in Leipzig

Battle Of The Nations-Monument

Krieg und Frieden – dies war in Leipzig Thema einer Arbeit der Loge Minerva zu den drei Palmen. Anlass: die Buchmesse, daher heißt diese jährlich wiederkehrende Traditionsarbeit auch ›Buchloge‹; 200 Brüder nahmen teil mit Gästen von weit her. Das Besondere daran ist der Ort: die ›Katakomben‹ des Völkerschlachtdenkmals.

Das Denkmal wurde 1913 eingeweiht: genau hundert Jahre nach der Völkerschlacht bei Leipzig, die das Ende Napoleons einleitete. Heuer war also ein doppeltes Erinnern angesagt: hundert Jahre Einweihung und zweihundert Jahre Völkerschlacht.

Auch wenn es dem Riesending nicht anzusehen ist, es war ein Werk deutscher Freimaurer: allen voran Apollo-Stuhlmeister Clemens Thieme und Architekt Bruno Schmitz. Ohne die Freimaurer hätte es das Denkmal nicht gegeben. Es wäre also verlockend gewesen, im Jubiläums-Baustück eine Großtat freimaurerischer Vorfahren zu feiern. Der Redner aus Leipzig widerstand dieser Versuchung: Er beleuchtete das Zwiespältige solcher Monumente. Auszüge:

Denkmale wie dieses wollen »ein historisch bedeutendes Geschehen vereinnahmen.« Aber in Wahrheit sind sie »nichts anderes als ein trauriges Erinnern an Krieg und Elend, an Leid und Schmerzen.« Sie stilisieren den Krieg als ein »von unbekannten Mächten provoziertes Geschehen … dabei ist der Krieg vollkommen menschlich. Der Mensch hat ihn sich ausgedacht.«

»Bei der pompösen und mit viel Militärpräsenz durchsetzten Einweihung des Völkerschlachtdenkmals 1913 war es denn auch nicht die Mahnung vor dem menschengemachten Kriege, welche die zahlreichen königlich und kaiserlichen Gäste berührte, es war ein vom nationalen Patriotismus geprägter Geist, der die Zeremonie vollständig durchzog. … Der Mensch oder genauer gesagt, eine überschaubare Gruppe von Menschen war schon insgeheim am Planen noch größerer kriegerischer Taten, größer und umfassender als es die Völkerschlacht je war. … Und ein Jahr später begann das, was das Mahnmal nur annähernd als steinerner Zeuge sinnloser Schlachten und Kriege den Menschen seiner Zeit als Spiegel der Erkenntnis vorhielt.«

Aber sind wir heute so weit weg davon, fragt sich der Redner gegen Ende seines Baustücks? »Wieso spricht die Gesellschaft nach jahrelangen militärischen Kampfeinsätzen in den Krisenregionen dieser Welt von friedenserhaltenden Maßnahmen, anstatt das ehrlichere Wort Krieg zu benutzen, auch wenn der Frieden herbeigesehnt wird? … Was für ein Menschenbild hat unsere Gesellschaft, wenn sie die unschuldigen zivilen Toten in Kriegsgebieten als Kollateralschaden bezeichnet?«

Und schließlich: »Ob unsere Freimaurerbrüder Thieme und Schmitz bei der Errichtung des Völkerschlachtdenkmales dies alles bedacht haben und ob sie frei waren von blindem Patriotismus und verklärendem Heldenpathos muss eine offene Frage bleiben. Und so können vielleicht die tonnenschweren Steine über uns dennoch ein Symbol dafür sein, dass wir alle eine schwere Verantwortung in uns tragen, derer wir uns immer bewusst sein sollen.«

Mehr: www.minerva-zu-den-drei-palmen.de


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Über ›Rudi Rabe‹

»Rudi Rabe« ist das Pseudonym eines Freimaurers und bekannten Wiener Journalisten im Unruhestand, Jahrgang 1943. Interessensgebiete: Geschichte, speziell die der Freimaurerei und »Menschen« – insbesondere solche anderer Kulturen.

04. Mai 2013 von ›Rudi Rabe‹
Kategorien: Freimaurer allgemein, Kritisches und Kritik | Schreibe einen Kommentar
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